Droht ein Kerosin-Mangel?
Die Hoffnung auf ein wirtschaftliches Frühlingserwachen ist verflogen. Stattdessen ist die Energiekrise seit dem Beginn des Kriegs im Nahen Osten noch dramatischer. Nicht nur der Sprit an der Tankstelle ist extrem teuer, sondern auch Flugbenzin, Kerosin. Was heißt das zum Beispiel für Ihre geplante Urlaubsreise? Wird die jetzt teurer?
Die gute Nachricht vorweg: Am Frankfurter Flughafen gibt es zurzeit noch reichlich Kerosin. Die Tanklager – so wie hier in Raunheim in unmittelbarer Nähe zur Nordwestlandebahn oder auch, etwas weiter entfernt in Ginsheim-Gustavsburg, sind gut gefüllt.
Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender Fraport AG
„Bis auf Weiteres – und da muss man am Ende ja auch mit den Öllieferanten und Kerosinlieferanten reden – aber bis auf Weiteres, das sind die Informationen, die wir haben, werden wir genügend Kerosin haben. Und sollte man sich aus heutiger Sicht keine Gedanken um den Sommerurlaub machen müssen.“
Anders als Finanzminister Lars Klingbeil, der vor Kerosinmangel warnt und von einer „ernsten Lage“ spricht, gibt auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder, hier bei der feierlichen Eröffnung des neuen Terminal 3 in der vergangenen Woche, erst mal Entwarnung. Zumindest teilweise.
Patrick Schnieder (CDU), Bundesverkehrsminister
„In Deutschland sehen wir im Moment keinen physischen Mangel an Kerosin. Die Preisdiskussion ist natürlich eine, die die Airlines und damit die Kunden letztlich auch trifft. In anderen Teilen der Welt sieht das anders aus. Und da der Luftverkehr ein internationales Geschäft ist, stellt uns das natürlich auch in Deutschland vor besondere Herausforderungen.“
Denn: Verschiedene Länder auf der Welt sind vom derzeit verknappten Kerosin-Angebot auf dem Weltmarkt unterschiedlich hart betroffen. Grundsätzlich gilt: Wenn die Nachfrage steigt, steigt auch der Preis. Rund 20 Prozent des weltweiten Rohöl-Bedarfs wird normalerweise durch die Straße von Hormus verschifft. Seit Beginn des Iran-Kriegs ist diese Route blockiert. In Sachen Kerosin sind die Auswirkungen auf Deutschland allerdings überschaubar.
Karl-Rudolf Rupprecht, Luftfahrt-Experte
„Wir haben zunächst erstmal in Europa Glück, dass wir auch in Deutschland die größten Teile unseres Kerosins aus Norwegen bekommen. Wir bekommen es aus den USA und aus Libyen. Also nicht aus der Straße Hormus.“
Außerdem könne Deutschland zur Not auch die eigene Kerosin-Produktion hochfahren, um Engpässe zu vermeiden. Gleichzeitig müssten Airlines wie die Lufthansa reagieren, indem sie etwa unrentable Kurzstrecken vorübergehend aus dem Programm nähmen.
Karl-Rudolf Rupprecht, Luftfahrt-Experte
„Für ne Airline ist es zunächst erstmal so: Wenn es knapp wird, wird sich der Preis erhöhen. Und es werden weniger Flüge angeboten werden. Und das ist natürlich für Reisende und auch für Geschäftsreisende schlecht.“


