GEW sorgt sich um Förderschulen

Die Bildung war eines der großen Themen im Wahlkampf in Rheinland-Pfalz. In der kommenden Woche wollen CDU und SPD ihren Koalitionsvertrag vorstellen – dann wird sicher auch durchsickern, ob Bildung in SPD-Hand bleibt oder ob sich die CDU als stärkste Kraft das Ministerium holt. Heute gab es schon mal Hausaufgaben für die zukünftige Landesregierung beim Thema Förderschulen.

„Das Gebäude ist völlig marode und sollte 2018 mal geschlossen werden.“
„Wir nehmen uns Wasser in Eimern oder Kanistern mit, weil es kein fließendes Wasser gibt.“
„Durch mehre Decken dringt Regenwasser ein.“
So beschreiben Schulleitungen die Lage an Förderschulen in Rheinland-Pfalz. Keine Einzelfälle – sondern Teil eines größeren Problems. Das zeigt eine Umfrage der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Das Ergebnis: marode Gebäude, fehlende Klassenzimmer und zu wenig Personal.
Stefan Jakobs, Vorsitzender GEW RLP
„Wir haben im Grunde nur eine handvoll Schulen, die sagen ‚Alles in Ordnung, wir können so arbeiten, wie das für unser Kinder gut ist.‘ Wenn ich eine Handvoll sage, dann rede ich von etwa zehn Prozent, wo alles in Ordnung ist und bei 90 Prozent ist etwas zu tun.“
40 Förderschulen mit Fokus auf Menschen mit geistiger Beeinträchtigung wurden befragt. Ihnen  fehlen 112 Klassenräume und 195 Räume für Pflege und Therapie. 140 Klassen mussten ausweichen – in andere Schulen oder in Container.
Birgit Wolsdorfer war selbst Förderschullehrerin und weiß, was das für den Schulalltag bedeutet.
Birgit Wolsdorfer, GEW RLP
„SchülerInnen werden auf der Sportbank gewickelt, müssen dort gewickelt werden. Sie können nicht mehr jedem Kind gerecht werden, eine oder einer leidet immer darunter.“
Zu den baulichen Problemen kommt der Personalmangel:In vielen Klassen fehlen ausgebildete Förderschullehrer. Stattdessen übernehmen pädagogische Fachkräfte oder studentische Aushilfen den Unterricht. Für viele Schulen wird es so immer schwieriger, ihren eigentlichen Auftrag zu erfüllen: Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen auf ein möglichst selbstständiges Leben vorzubereiten.
Das Bildungsministerium erklärt, ihm sei bewusst, dass Schulen im Förderbereich vor besonderen Herausforderungen stünden. Die Ausbildung und Einstellung von Förderschullehrkräften werde daher vorangetrieben.
Die Forderung der GEW an die künftige Landesregierung ist klar:
Stefan Jakobs, Vorsitzender GEW RLP
„Diese Schulen jetzt in den Blick zu nehmen, nachdem man im Grunde seit 25 Jahren einfach mal so weiter gemacht hat. Dieses „weiter so“ kann nicht länger funktionieren. Wir bekommen zu viele Rückmeldungen von Überlastungen, wie bekommen zu viele Rückmeldungen, dass der Arbeitsplatz Schule nicht mehr attraktiv ist, und wir verlieren pädagogische Fachkräfte.“
Probleme, die nicht nur Förderschulen betreffen – hier aber besonders sichtbar werden. Und die eine neue Landesregierung kaum ignorieren kann.