Schaltgespräch zur Konjunkturprognose

Schon wieder gibt es schlechte Nachrichten aus der Wirtschaft. Die Bundesregierung erwartet ein spürbar schwächeres Wachstum. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat heute die aktuelle Konjunktur-Prognose vorgestellt. Im Januar war man noch von 1 Prozent Wachstum ausgegangen, jetzt musste die Prognose  nach unten korrigiert werden – auf nur noch 0,5 Prozent.

Eva Dieterle, Moderatorin:
Mal wieder düstere Aussichten für die Wirtschaft und über die spreche ich jetzt mit dem Hauptgeschäftsführer der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz,mit Arne Rössel. Guten Abend.
Arne Rössel, IHK-Arbeitsgemeinschaft RLP:
Guten Abend, Frau Dieterle.
Dieterle:
Herr Rössel, die Bundeswirtschaftsministerin begründet den Negativtrend beim Wirtschaftswachstum heute auch mit dem Iran-Krieg. Teilen Sie diese Ansicht oder sehen Sie einen Teil der Verantwortung dafür schon auch bei der Bundesregierung selbst?
Rössel:
Also wir sehen den Hauptanteil bei der Bundesregierung selbst, die es bis heute nicht geschafft hat, Vertrauen in der Wirtschaft zu gewinnen. Die Wirtschaft wünscht sich wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen, um diesen weltweiten Krisen besser trotzen zu können, sich besser behaupten zu können. Und auch in den letzten Monaten ist da nichts nach vorne gegangen. Es ist sehr viel hausgemacht und das 1 % Wachstumsprognose vom Frühjahr war schon sehr optimistisch und die 0,5 % sind es jetzt aus unserer Sicht auch noch zu optimistisch.
Dieterle:
Sie sind ja gerade dabei, ihre eigene rheinland-pfälzische Konjunkturumfrage auszuwerten. Die finalen Ergebnisse stellen Sie Anfang Mai vor – können Sie uns jetzt trotzdem schon mal einen Einblick geben: Wie ist die Lage in Rheinland-Pfalz? Erwarten Sie einen ähnlichen Trend wie im Bund?
Rössel:
Ja, also wir haben im Gegensatz zum Bund im Frühjahr zur Jahreswechsel-Umfrage schon gesagt: Kein Wachstum in Rheinland-Pfalz. Und wenn man von den ganzen Unternehmensgesprächen jetzt am aktuellen Rand ausgeht und mal leicht in die Vorauswertung der Umfrage reinschaut, kann man nur sagen: Es ist sehr, leider sehr, sehr düster. Wir sind wahrscheinlich in so einer Stimmungslage wie im ersten Corona-Frühling.
Dieterle:
Also was ist das Wichtigste, was die Bundesregierung jetzt tun muss, damit endlich die Trendwende eingeleitet wird?
Rössel:
Ja, ein geschlossenes Handeln, ein Auseinandersetzen hinter den Kulissen und ein Erwartungsmanagement, das den Unternehmen wieder Vertrauengewinnen schafft und bis Juli konkrete Gesetzesentscheidungen, wo die Unternehmen dann auch sagen: Das ist jetzt mal ein Schritt oder vielleicht auch zwei Schritte in die richtige Richtung.
Dieterle:
Konkrete Forderungen von Arne Rössel, dem Hauptgeschäftsführer der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz. Vielen Dank!
Rössel:
Vielen Dank auch, Frau Dieterle.