Prozess gegen Prinz Reuß fortgesetzt

Im Prozess um die mutmaßliche Reichsbürger-Gruppe hat sich der Hauptangeklagte Heinrich XIII.Prinz Reuß heute umfassend zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen geäußert. Dabei weist er jede Art von Rädelsführerschaft weit von sich – vielmehr sei er da in etwas „hingeraten“.

Wollte die Gruppe um Prinz Reuß die bestehende Ordnung in Deutschland stürzen und sich selbst gewaltsam an die Macht putschen? Diesen Hauptanklagepunkt der Staatsanwaltschaft will Prinz Reuß mit seiner heutigen Aussage unbedingt entkräften. Und zwar in einem Frage-Antwort-Spiel mit seinem Verteidiger Roman von Alvensleben. Das mache es für den Angeklagten einfacher, als wenn die Fragen direkt vom Gericht kämen, sagt sein Anwalt. Etwa drei Stunden erzählt Prinz Reuß, wie er die anderen mutmaßlichen Verschwörer eher zufällig kennen gelernt habe und wie die Gruppe bei mehreren Treffen in seinem Thüringer Jagdschloss über das Ende der bestehenden Verhältnisse sinnierte.
Aaron Lutter, Reporter in Frankfurt
„Während seiner Aussage wirkt Prinz Reuß gefasst und strukturiert. Auf die zahlreichen Fragen seines Anwalts antwortet er geduldig und ausführlich, gibt aber immer wieder an, sich an Details nicht erinnern zu können. Emotional wird es nur, wenn es um die enteigneten Familienbesitztümer geht. Hier gerät er ins Stocken und muss sichtlich mit den Tränen kämpfen.“
Ihm selbst sei es bei den Treffen immer nur um die nach dem Krieg enteigneten Familienbesitztümer gegangen. Als er dann von den Mitangeklagten von einer so genannten „Erdallianz“ gehört habe, die schon bald die Macht in Deutschland an sich reißen werde, um missbrauchte Kinder aus unterirdischen Verließen zu befreien, habe er sich wohl von den anderen in etwas einspannen lassen.
Roman von Alvensleben, Verteidiger Heinrich XIII. Prinz Reuß
„Da brauchen wir dann einen weißen Adeligen, und das ist genau der. So hat man ihn gesucht – und am Ende auch leider gefunden, sage ich als sein Verteidiger.“
Einen gewaltsamen Putsch – sei es durch die „Erdallianz“ oder durch ihn und seine Mitstreiter, habe er immer vehement abgelehnt. Inzwischen gehe er sogar davon aus, dass das angeblich  baldige Eingreifen des ominösen Militärbündnisses nur eine Erzählung seiner Mitangeklagten war, um ihn als wohlhabenden Adeligen mit auf ihre Seite zu ziehen.