Aus für Druckmaschinenhersteller Manroland in Offenbach

Manroland Sheetfed wird sein Werk in Offenbach schließen. Dass der traditionsreiche Druckmaschinenhersteller insolvent ist, war schon länger bekannt. Bislang gab es Hoffnung auf einen Investor. Doch daraus wird nichts, hat das Unternehmen jetzt mitgeteilt. Schon zum ersten Juni werden die meisten Mitarbeiter ihre Jobs verlieren.

Sie alle fragen sich, wie es weitergehen soll. Überrascht sind sie nicht. Aber enttäuscht und ratlos.
Sefir Ülker, seit 37 Jahren im Betrieb
„Meine letzte Bewerbung hab ich zum Beispiel vor 36 Jahren geschrieben. Ich weiß nicht mehr, was heute verlangt wird und was jetzt ist. Wir haben schon alles gemacht für die Firma. Samstags gearbeitet, wir haben unseren Lohn hergegeben, wir arbeiten für weniger Geld, wenn es sein muss. Dann haben wir auch unser Urlaubsgeld abgegeben, Weihnachtsgeld haben wir abgegeben.“
Jörg Müller, seit 39 Jahren im Betrieb
„Keine Ahnung. Und dann werde ich mich halt arbeitssuchend melden und die Wahrscheinlichkeit, dass du halt als 58-Jähriger Kerl vergleichbar irgendetwas bekommst. Die Chance ist eigentlich schlecht.“
Das Unternehmen müsse seine rund 750 Mitarbeiter deshalb dabei unterstützen, sich weiterzubilden und neue Jobs zu finden, sagt der Betriebsratsvorsitzende.
Stefan Vogler, Betriebsratsvorsitzender Manroland Sheetfed
„Für sowas sind eben Übergangsgesellschaften zuständig. Die führen einen, die zeigen einem, was geht, helfen einem auch bei Bewerbungen. Die letzte Runde hieß es, wo wir das mal angesprochen hatten, es ist kein Geld da. Aber ich sag immer, das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.“
Manroland Sheetfed steht heute nicht für ein Interview zur Verfügung. Schriftlich teilt man uns mit, die Nachfrage nach Druckmaschinen sei seit Jahren rückläufig.  Und:
„Der Gesellschafter von manroland sheetfed hat das Unternehmen in den letzten Jahren mit Investitionen und Garantien in erheblichem Umfang finanziell unterstützt. Eine nachhaltige Trendumkehr der externen Faktoren war allerdings weiterhin nicht zu erwarten.“
Die IG Metall sieht hingegen auch Versäumnisse des Unternehmens selbst.
Manuel Schmidt, IG Metall Offenbach
„Man hat verwaltet, man hat – ich hab es auf der Betriebsversammlung gestern gesagt – die Kuh solange gemolken, wie sie Milch gegeben hat, hat aber versäumt, tatsächlich in die Zukunft zu investieren, in neue Maschinen zu investieren, neue Produkte auch an den Standort zu holen.“
Die IG Metall versuche jetzt, für die Auszubildenden neue Arbeitgeber zu organisieren. Wichtig für Karl Kösch, der gerade im zweiten Lehrjahr ist.
Karl Kösch, Auszubildender zum Industriemechaniker
„Wir haben gerade die Zwischenprüfung hinter uns und dann auf einmal, ja, der Betrieb macht zu. Und die anderen Azubis, da haben auch viele keine Lust mehr zu arbeiten und die Ausbilder sagen, wir machen – weil ihr halt Lernende seid – machen wir noch bis zum Ende so weiter als wäre alles gut.“
Karl Kösch hofft jetzt, bald eine gute Anstellung zu finden. So auch Sefik Ülker, Jörg Müller und die restlichen 750 Beschäftigten.