Zu Gast im Studio: Klaus Schneider, Präsident des Deutschen Weinbauverbandes

So viel zur aktuellen Lage. Daran wollen wir jetzt anknüpfen. Und das mache ich gemeinsam mit dem Präsidenten des Deutschen Weinbauverbandes, mit Klaus Schneider.

Eva Dieterle:
Guten Abend.
Klaus Schneider, Präsident des Deutschen Weinbauverbandes
Guten Abend.
Eva Dieterle:
Herr Schneider. Ganz aktuell gibt es jetzt Förderprogramme, die Winzern eine Prämie auszahlen sollen, wenn sie ihre Weinberge roden lassen. Das Ganze soll den doch sehr angespannten Weinmarkt entlasten. Das heißt, man akzeptiert langfristig dann, dass es doch deutlich weniger Rebfläche geben wird?
Klaus Schneider, Präsident des Deutschen Weinbauverbandes
Wir werden das akzeptieren müssen, dass es weniger Rebfläche geben wird. Der Markt hat sich verändert, die Konsumgewohnheiten haben sich verändert. Die von Ihnen angesprochenen Förderprogramme gibt es derzeit zwei, die sogenannte Öko-Regelung eins a aus der Gemeinsamen Agrarpolitik mit Pflege der Fläche mit Einsaat einer Begrünung oder eben die neu beschlossene definitive Rodung, das heißt der Verlust der Pflanz- und Vermarktungsrechte und dauerhafte Aufgabe des Weinbaus. Und wir fordern darüber hinaus eine dritte Möglichkeit, die sogenannte Rotationsbrache, in der über einen längeren Zeitraum die Begrünung eingesät und gepflegt wird und damit die Kulturlandschaften erhalten bleiben können.
Eva Dieterle:
Das ist ihnen wichtig. Schwierige wirtschaftliche Lage, sinkender Absatzmarkt, höherer Mindestlohn das alles sind Parameter, die die Winzer doch immer wieder ins Schwitzen bringen. Wie viel Spielraum hat denn ein Winzer überhaupt noch, an irgendeiner Schraube zu drehen, um sich das zurückzuholen? Wir haben es im Beitrag gehört Preissteigerung. So einfach ist das mit den Kunden ja nicht zu machen.
Klaus Schneider, Präsident des Deutschen Weinbauverbandes:
Preissteigerungen sind im Moment absolut nicht durchführbar. Zurückholen geht auch nicht. Es geht uns eher um Stabilisieren, das heißt versuchen, die Betriebe in eine Situation zu bringen, wo sie auskömmlich wirtschaften können. Das ist derzeit nicht der Fall. Die Betriebe machen alle Minus, und zwar in großem Maße. Wir wollen deswegen das angesprochene Produktionspotential absenken. Wir wollen die Möglichkeit finden, die Betriebe zu unterstützen. Wir wollen mehr Werbung machen für den Deutschen Wein, vor allen Dingen auch für den Inlandskonsum um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Wir haben nur 42 % Marktanteil in Deutschland mit deutschem Wein. Das ist sehr niedrig. Es gibt andere Länder, da sind es weit über 80 %. Und wir sind natürlich im Austausch mit der Politik, um hier die entsprechenden Maßnahmen zu treffen. Europa hat geliefert mit dem Wein-Paket in relativ schneller Zeit für europäische Verhältnisse. Jetzt harren wir der Umsetzung in Berlin und dann hoffen wir auf die neue Landesregierung hier auch in Rheinland Pfalz, auf schnelle Umsetzung, jeder auf seine Ebene. Es ist nun mal der Prozess in einem föderalen System.
Eva Dieterle:
Ja, und wenn man in die Zukunft schaut, dann spielen entalkoholisierte Waren ja zum Beispiel auch eine Rolle. Wie sehr müssen sich Winzer denn da moderner aufstellen oder neuer aufstellen?
Klaus Schneider, Präsident des Deutschen Weinbauverbandes:
Ich glaube, die Winzer sind sehr flexibel. Winzerinnen und Winzer möchte ich gerne sagen. Es gibt entalkoholisierte Weine, es gibt teilentalkoholisierte Weine haben derzeit einen Marktanteil zwischen ein und 2 %. Es ist ein sehr neues Feld, ein sehr aufwendiger Produktionsprozess, Aber das wird Bestandteil unseres Portfolios werden, dauerhaft, auch wegen der geänderten Konsumgewohnheiten. Aber wir streben natürlich auch an, alternative Produkte anzubieten, wie leichte Weine, die auf natürlichem Wege durch eine gezügelte Gärung entstehen, die dann geringere Alkoholgehalt aufweisen, aber mehr Geschmack und mehr Frucht als ein entalkoholisierter Wein.
Eva Dieterle:
Also viele Herausforderungen für die Zukunft, aber auch viele Ideen. Herr Schneider, vielen Dank, dass Sie heute zu diesen Themen bei uns waren.
Klaus Schneider, Präsident des Deutschen Weinbauverbandes:
Gerne. Danke schön.