Weinbau in der Krise

Sinkender Konsum, steigende Produktionskosten, Zölle auf Exporte – die Weinbrache steckt in der Krise. Das merken vor allem die Weinbauer in Rheinland-Pfalz, wo zwei Drittel des deutschen Weins produziert werden. Wir sprechen gleich mit dem Präsidenten des deutschen Weinbauverbands, zunächst begleiten wir aber einen Winzer in Nierstein.

Konstantin Guntrum auf dem Weg zu seinen Weinhängen. Von den Trauben ist bislang noch nichts zu sehen, aber die Knospen sprießen schon eifrig. Das lässt den Winzer auf eine gute Ernte hoffen, denn die Krise im Weinbau hat auch er zu spüren bekommen. Angesichts steigender Kosten aber einfach die Preise für seine Weine anzuheben, sei derzeit keine Option. Dann würden die Kunden ein Genussmittel schlichtweg nicht mehr kaufen.
Konstantin Guntrum, Winzer in Nierstein
„Das sind die Güter, bei denen ein Konsument als erstes anfängt zu sparen, wenn ihm aus anderen Gründen das monatliche Einkommen knapp wird. Also wenn wir im Moment wesentlich mehr für Benzin und Diesel bezahlen, dann müssen wir irgendwo anders sparen.“
Der Umsatz ist inzwischen um rund zehn Prozent zurückgegangen. Schwarzsehen will der Niersteiner aber nicht, sein Weingut ist breit aufgestellt und exportiert auch in die USA. Die schwankenden Strafzölle von US-Präsident Donald Trump hätten sich letztlich nicht so stark ausgewirkt, wie befürchtet. Konstantin Guntrum stören eher die Rahmenbedingungen hierzulande, wie etwa die lange Diskussion über die zeitweise gestrichene Subvention für Agrardiesel.
Konstantin Guntrum, Winzer in Nierstein
„Da hat man sich überlegt: Oh super, wo können wir ein bisschen Geld hernehmen? Landwirtschaft wehrt sich nicht so furchtbar, dann streichen wir denen die Agrardiesel-Subvention. Und wir empfehlen ihnen noch, sie sollen doch bitte einen elektrobetriebenen Schlepper kaufen statt ihres Dieselschleppers. Wir brauchen keine Vorschriften, was wir zu tun haben!“
Inzwischen wurde die Subvention Anfang des Jahres wieder eingeführt, Elektrotraktoren haben sich indes nicht durchgesetzt. Ein weiteres Ärgernis: Der nur schleppend vorangehenden Bürokratieabbau.
Konstantin Guntrum, Winzer in Nierstein
„Wenn wir gesehen haben, wie in den letzten 10, 15 Jahren Bürokratie rasant aufgebaut worden ist. Wie Berichtspflichten aufgebaut worden sind, wie Nachhaltigkeitsberichte erstellt werden müssen. Wir müssen bei der Bürokratie tatsächlich radikal ran gehen.“
Der Verwaltungsaufwand würde inzwischen zu viel Zeit rauben. Viele Weinbauern sagen: Ihr Arbeitsplatz sei der Weinberg und nicht der Schreibtisch.