Irankrieg belastet die Bauindustrie

Zu Jahresbeginn endlich mal wieder positive Signale aus der hessischen Bau-Branche – erstmals seit langem: Mit dem so genannten „Bau-Paket 1“ hat das Land einen Weg gefunden, Verfahren zu vereinfachen und Prozesse zu beschleunigen. Doch jetzt der Rückschlag: Vor allem durch die Krise im Nahen Osten und die dadurch gestörten Lieferketten, wird Bauen gerade wieder deutlich teurer. Mehr als zuvor pocht die Bau- und Immobilien-Branche deshalb darauf: In Deutschland muss sich jetzt schnell was tun, um den Wohnungsbau krisenfest und insgesamt attraktiver zu machen.

Wird das zarte Pflänzchen Hoffnung am Bau durch den Iran-Krieg gerade schon wieder im Keim erstickt? In Deutschland gibt es immer noch rund 1,4 Millionen Wohnungen zu wenig. Vor allem in den Großstädten fehlt es an bezahlbarem Wohnraum. Doch das einstige Ziel der Bundesregierung, Jahr für Jahr 400000 neue Wohnungen zu bauen, rückt nicht zuletzt durch den Iran-Krieg gerade wieder in weite Ferne.
Thomas Reimann, Bauunternehmer ALEA AG: „Der Iran-Krieg tut uns weh. Gerade bei Dämmstoffen merkt man das momentan. Das sind 18,4 Prozent, die da derzeit aufgeschlagen werden. Dämmstoff hat einen nicht unerheblichen Anteil, wenn wir Wohnungen neu bauen. Von daher wollen wir hoffen, dass das bald ein Ende nimmt. Denn alles, was irgendwie mit Öl zu tun hat, wird den Preis treiben.“ 
Dabei ist der deutschen Baubranche natürlich klar, dass sie auf die weltpolitische Lage nur wenig Einfluss hat: Umso wichtiger sei es deshalb, dass die Politik genau jetzt weitere Erleichterungen für Häuslebauer schaffe. Etwa durch den weiteren Abbau unnötiger Auflagen.
Stefan Bürger von der GWH Immobilien Holding, die deutschlandweit rund 53000 Wohnungen verwaltet und gerne viel mehr neu bauen würde, verweist auf ein weiteres Problem: Wer bauen will, braucht zunächst mal einen Bauplatz.
Stefan Bürger, Vorsitzender GWH Immobilien Holding GmbH: „Es hängt ganz stark an der Zurverfügungstellung von Grundstücken. Wir finden keine Grundstücke, die so kostengünstig sind wie die Baumaßnahmen, die wir darauf errichten wollen. Und ob ein Grundstück 80 oder 800 Euro auf den Quadratmeter kostet, macht schnell 3 oder 4 oder 5 Euro in der Miete aus. Das ist DER Engpassfaktor.“ 
Selbst auf dem Land seien Grundstücke inzwischen oft so teuer, dass sich eine Bebauung kaum noch lohne – ein hausgemachtes Problem.
Stefan Bürger, Vorsitzender GWH Immobilien Holding GmbH: „Aber Wohnraum ist natürlich ne aufwändige Aktion. Ich muss Erschließung bauen, ich muss Kindergärten bauen. Ich habe häufig Baulärm über lange Zeit. Und ich habe Bewohner, die gar kein Interesse daran haben, dass vielleicht ein neues Baugrundstück nebenan erschlossen wird.“ 
In Hessen gibt es für diese Problem bereits einen Lösungsansatz: Das Land will Städte und Gemeinden, die besonders viel Bauland ausweisen, künftig mit mehr Geld aus dem kommunalen Finanzausgleich belohnen. Obwohl das so im Koalitionsvertrag steht, hat die schwarz-rote Landesregierung den Plan aber bislang nicht umgesetzt.