Schaltgespräch mit dem Rüsselsheimer OB zur Entwicklung bei Opel

Seit Jahren wird das Entwicklungszentrum des Autobauers Opel am Hauptsitz in Rüsselsheim immer kleiner. Jetzt sollen dort noch einmal rund 650 Stellen wegfallen. Künftig werden dann nur noch rund eintausend Ingenieure an der Entwicklung von Opel-Modellen arbeiten. Vor circa 10 Jahren waren es noch rund 7000 Entwickler. Nach einem schwachen letzten Jahr hat Opel aktuell Boden gutgemacht. Der Autobauer hat im ersten Quartal 2026 fast 40 Prozent mehr Neuwagen auf die Straße gebracht als im Vorjahreszeitraum. Und dennoch ist für den Stammsitz wieder ein Stellenabbau angekündigt. Was bedeutet das für Rüsselsheim und die Region?

Maike Dickhaus, Moderatorin:
Darüber spreche ich jetzt mit dem Rüsselsheimer Oberbürgermeister Patrick Burghardt. Guten Tag!
Patrick Burghardt (CDU), Oberbürgermeister Rüsselsheim:
Schönen guten Abend.
Dickhaus:
Herr Burghardt, wie schwer trifft der angekündigte weitere Stellenabbau bei Opel die Stadt Rüsselsheim?
Burghardt:
Ja, ist natürlich immer eine schwierige Situation, wenn Arbeitsplätze in dieser Dimension am Standort abgebaut werden. Wir sind das aber mittlerweile schon relativ gewohnt. Wenn man überlegt, wo wir herkamen. Mit knapp 40.000 Beschäftigten bei der Firma Opel vor Jahrzehnten und jetzt hin zu 6.800 etwa. Das ist schon ein Gang, den wir immer wieder gehen mussten. Aber natürlich 650 Arbeitsplätze wieder im Abbau. Das macht was mit einer Stadt. Das ist natürlich für uns auch in der Frage der zukünftigen Ausrichtung eine wichtige Frage. Aber macht das nicht auch was mit den Rüsselsheimern? Wir sind sehr eng verbunden mit dem Unternehmen, insbesondere die Bürgerinnen und Bürger. Und das ist natürlich ein großes Thema in dieser Stadt.
Dickhaus:
Wenn Stellantis im Opel-Entwicklungszentrum rund 650 Jobs kappt, in Frankreich aber viele Stellen in der Entwicklung aufbaut, dann zeigt der Konzern doch klar, wo er Prioritäten setzt? Nicht in Rüsselsheim!
Burghardt:
Das würde ich jetzt so nicht sagen. Es ist ein Konzern, der sehr zentralistisch aufgestellt ist. Das ist bei den Franzosen nicht unüblich, von daher warr durchaus damit zu rechnen, dass Dienstleistungen oder einzelne Bereiche zentralisiert werden. Das ist ja auch schon in den letzten Jahren passiert, das ist ja nichts Neues. Aber natürlich ist es schade, dass der Bereich Forschung und Entwicklung hier ein Stück weit depriorisiert wird. Aber wir hoffen sehr, dass andere Dinge dann mehr in den Fokus rücken.
Dickhaus:
Sanierungsbedürftig – so präsentiert sich derzeit, wir sehen es, das alte Opel-Gelände. Rüsselsheim hat nun Fördergelder bekommen, um das Areal weiterzuentwickeln. Was wird da für die Bürger von Rüsselsheim und der Region entstehen?
Burghardt:
Wir schauen natürlich in die Zukunft. Rüsselsheim hat in den kommenden Jahren über 200.000 Quadratmeter zu entwickeln für Wohnen, für Industrie, für Gewerbe. Und das beginnt hier natürlich im Opel-Altwerk, geht aber deutlich darüber hinaus. Und wir werden in den kommenden Jahren und in den kommenden Monaten viele wichtige Entscheidungen treffen für die zukünftige Ausrichtung, für die Diversität unserer Wirtschaft. Und das sind große Herausforderungen, die in den letzten Jahren schon gewesen sind, aber in Zukunft natürlich noch deutlich intensiver auf uns zukommen werden.
Dickhaus:
Danke an den Rüsselsheimer Oberbürgermeister Patrick Burghardt.
Burghardt:
Ja, sehr gerne. Schönen Gruß aus Rüsselsheim