Landwirt wartet auf Einspeisevergütung für Solaranlage
Wer Strom aus erneuerbaren Energien, beispielsweise einer Photovoltaikanlage, ins öffentliche Netz einspeist, der bekommt dafür eine finanzielle Vergütung. Besonders viel Strom kommt dabei von den Landwirten. Bei Ihnen fällt sowieso Masse für eine Biogasanlage an oder sie verfügen über große Flächen für Solarpanele. Doch aktuell bekommen viele Landwirte keinen Cent, kritisiert der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau. Wir haben uns auf einem Betrieb an der Nahe angeschaut, woran das liegt.
Ein lauer Frühlingstag in Birkenfeld, die Sonne scheint. Helmut Beutler müsste das eigentlich freuen. Denn seit 14 Jahren hat der Milchbauer Photovoltaik auf einigen seiner Stalldächer.
Helmut Beutler, Landwirt in Birkenfeld
„Mit der PV-Anlage haben wir einfacher Geld verdient als mit den Kühen, die unten drunter stehen. Also was das Problem ist an sich weiß ich nicht. Was ich weiß ist, dass ich seit Januar 25, da gab es die letzte Abschlagszahlung, dann ist kein Geld mehr geflossen.“
Es geht um 1.800 Euro pro Monat. Insgesamt also über 25.000 Euro, die Helmut Beutler von seinem Netzbetreiber, der Westnetz GmbH, noch zu bekommen hat.
Helmut Beutler, Landwirt in Birkenfeld
„Ganz ehrlich, der Milchpreis, der im Moment richtig runtergerauscht ist, ist wesentlich schlimmer. Dennoch brauchen wir das Photovoltaikgeld.“
Der Landwirt wendet sich mehrfach an die Westnetz, per Mail und telefonisch. Bislang ohne Erfolg. Aber:
Helmut Beutler, Landwirt in Birkenfeld
„Die Banken – wegen den Krediten vom Kuhstall und so weiter – wollen sie ja den Jahresabschluss haben. Die schreiben mich an, ‚wo bleibt der Jahresabschluss?‘ Der Steuerberater sagt zu mir, ‚wann meldet sich Westnetz mit der Einspeisevergütung?‘, weil die muss ja da rein. Ist ein bisschen eine verzwickte Situation.“
Auf Anfrage von 17.30 Sat.1 live erklärt die Westnetz GmbH, eine Softwareumstellung habe dazu geführt, dass die vom Hof übermittelten Daten vom System nicht korrekt erfasst werden. Ein Mitarbeiter müsse den Einzelfall prüfen und bearbeiten. Aufgrund der vielen Anfragen komme es aktuell aber zu Verzögerungen.
Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau bestätigt, dass Helmut Beutler bei weitem kein Einzelfall ist.
Marco Weber, Präsident Bauernverband Rheinland-Nassau
„Wir haben immer mehr Rückmeldungen, gerade in unserem Verbandsgebiet, dass in den letzten Monaten und Jahren gerade die Umsetzung und die Zusammenarbeit mit den Netzbetreibern doch schon eine große Herausforderung wird. Und wir müssen aufpassen, dass wir gerade die Lust der Landwirte in erneuerbare Energien zu investieren, nicht verlieren.“
Helmut Beutler ist die Lust noch nicht vergangen, seinen Strom will er künftig allerdings nicht mehr einspeisen.
Helmut Beutler, Landwirt in Birkenfeld
„Dann wollen wir große Batteriespeicher kaufen, dass wir die Energie über Tag speichern können, anstatt einzuspeisen. Und nachts könnten die Melkroboter von dem Strom dann melken. So sind aktuell die Überlegungen.“
Überlegungen, für die er die rund 25.000 Euro von der Westnetz besser heute als morgen gebrauchen könnte. Aber er sei Optimist, sagt Helmut Beutler. Und die Hoffnung sterbe schließlich zuletzt.


