Schaltgespräch mit Ralph Beisel vom Flughafenverband

Die Streiks von Kabinenpersonal und Piloten sind nicht nur ein wirtschaftlicher Schaden, auch das Image der Airline leidet. Maike Dickahaus spricht darüber mit dem Hauptgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen.

Maike Dickhaus, Moderatorin:
Ausgerechnet am großen Festtag wird gestreikt, darüber spreche ich jetzt mit Ralph Beisel vom Flughafenverband ADV. Guten Abend.
Ralph Beisel, Flughafenverband ADV:
Schönen guten Abend vom Frankfurter Flughafen.
Dickhaus:
Herr Beisel, fünf Tage Streik hintereinander, kaum ein Flieger der Lufthansa hebt ab. Das ist doch ein enormer wirtschaftlicher Schaden, den die Airline und der Frankfurter Flughafen da zu verkraften haben. Kann man das irgendwie beziffern?
Beisel:
Ja, aus einem großen Freudentag ist ein betrüblicher Streiktag geworden. Wir blicken auf eine Streikeskalation von fünf Tagen. Und das tut nicht nur der Deutschen Lufthansa weh. Das tut den gesamten deutschen Flughäfen weh, tut der Wirtschaft, der Touristik weh. Alleine die Flughäfen haben pro Tag in Deutschland 100.000 Reisende weniger. Das kostet nur die Flughafenbetreiber roundabout 3 Millionen  € täglich. Ein unermesslicher Schaden, der hier entsteht und das ist über fünf Tage nicht mehr hinnehmbar.
Dickhaus:
Zudem erreichen tausende Fluggäste nicht ihr Ziel, viele sind mittlerweile genervt und sagen: „Lufthansa buche ich nicht mehr“. Wie groß ist da der Imageschaden für die Fluglinie?
Beisel:
Tatsächlich ist es nicht nur einen Imageschaden für die Airlines, für die Flughäfen. Es ist ein Imageschaden für die Bundesrepublik Deutschland. Das strahlt aus. Luftverkehr verbindet die Bundesrepublik mit der Welt und die Menschen draußen, außerhalb der deutschen Szenerie, die denken doch: “Was ist in Deutschland los? Das Land wächst nicht mehr, die Leute streiken, die Unternehmen zu Tode. Das kann doch nicht mehr wahr sein.“ Ein grotesker Imageschaden.
Dickhaus:
Jetzt haben Sie sich dafür ausgesprochen das Streikrecht zu beschränken – das ist doch aber verfassungsrechtlich geschützt. Wie kommen sie darauf?
Beisel:
Das Streikrecht steht in unserer Verfassung, aber es ist kein schrankenloses Recht. Wir befinden uns in der systemkritischen Infrastruktur, und das gebietet eben auch eine Verantwortung für die Durchführung von Streiks. Und Streiks müssen auch angemessen sein. Und in diesem Fall fehlt jede Angemessenheit. Es ist ein Streik zulasten von Dritten, von vielen Hunderttausenden Reisenden und unserer Wirtschaft.
Dickhaus:
Der Luftverkehrsstandort Deutschland steht massiv unter Druck – dazu war das Ralph Beisel vom Verband Deutscher Verkehrsflughäfen. Danke Ihnen.
Beisel:
Sehr gerne.