Rückblick auf 100 Jahre Lufthansa
Anders als heute ist vor genau 100 Jahren ein Flieger der Lufthansa ganz planmäßig abgehoben. Im April 1926 geht es von Berlin nach Zürich. Es ist der erste Linienflug der gerade erst gegründeten Deutschen Luft Hansa. Seitdem hat sich das Unternehmen von einer kleinen Fluglinie zu einem globalen Konzern entwickelt, mit seinem wichtigsten Drehkreuz hier bei uns, am Frankfurter Flughafen. Doch die Geschichte von Deutschlands größter Fluglinie ist nicht nur positiv: Auch ihre Rolle während der NS-Zeit hat sie anlässlich des Jubiläums kritisch aufgearbeitet. Wir blicken auf ein Jahrhundert Lufthansa.
Fliegen ist im Deutschland der 1920er-Jahre noch ein Abenteuer. Die beiden größten Fluggesellschaften Deutscher Aero Lloyd und Junkers Luftverkehr, sind unrentabel, erhalten staatliche Subventionen. Auf Druck des Reichsverkehrsministeriums fusionieren sie 1926 zur Deutsche Luft Hansa AG. Im April startet der Flugbetrieb.
In den nächsten Jahren wird die Lufthansa zum Vorreiter. Ab 1928 serviert sie als eine der ersten Fluggesellschaften Essen und Getränke an Bord – eine Service-Sensation. Und auch die Verbindungen werden ausgeweitet. Anfangs geht es vor allem über die Alpen, bald schon hinaus in die ganze Welt.
Zur Geschichte gehört aber auch ein dunkles Kapitel: Während des Nationalsozialismus wird die Lufthansa zum Staatsbetrieb und Teil des Systems. Sie beschäftigt Tausende Zwangsarbeiter und rückt als „heimliche Luftwaffe“ aus zu Einsätzen in den Zweiten Weltkrieg.
Mit dem Kriegsende verbieten die Siegermächte deutsche Fluggesellschaften. 1955 genehmigen die Alliierten zunächst einzelne Inlandsflüge und eine neu gegründete Lufthansa hebt wieder ab, mit einem Erstflug von München nach Frankfurt. Ein Symbol für den Neuanfang der deutschen Luftfahrt. Fliegen ist in den Nachkriegsjahren eine exklusive Angelegenheit. Ein Flug von Frankfurt nach New York kostet ungefähr so viel wie ein neuer VW Käfer.
In den folgenden Jahrzehnten wächst die Lufthansa schnell. Mit der Boeing 707 beginnt Ende der fünfziger Jahre das Düsen-Zeitalter.
„Mit 95 Passagieren und zehn Mann Besatzung startet eine Boeing 707 Jet zu ihrem 32-stündigen Flug über den Pol nach Tokio.“
Anfang der 70er prägen Großraumflugzeuge wie die Boeing 747, der sogenannte Jumbo-Jet, den interkontinentalen Verkehr. Lufthansa wird zu einer der wichtigsten Fluggesellschaften Europas.
Lange Zeit ist Deutschlands größte Fluggesellschaft im staatlichen Besitz. Ab den 90ern wird sie schrittweise privatisiert. Und noch etwas ändert sich in dieser Zeit. Ab 1995 gilt auf Inlandsflügen ein generelles Rauchverbot. Drei Jahre später wird es auf alle Flüge ausgeweitet.
Für die Lufthansa geht es mal rauf, mal runter und manchmal bleiben die Flieger ganz am Boden. Zum Beispiel, weil immer mal wieder die Piloten streiken.
Im März 2015 eine der schwärzesten Stunden des Konzerns. Ein Co-Pilot aus Rheinland-Pfalz bringt in den französischen Alpen eine Maschine der Lufthansa-Tochter Germanwings absichtlich zum Absturz. 150 Menschen sterben.
Doch die größte Krise steht noch bevor. 2020 bringt die Corona-Pandemie den Konzern an den Rand der Insolvenz. 1 Million Euro verliert die Lufthansa damals – pro Stunde. Der Bund rettet die Airline mit einem Milliarden-Paket. Der Kranich fliegt mit gestutzten Flügeln weiter. Die Flotte deutlich kleiner, ein Fünftel der rund 140.000 Mitarbeiter muss gehen.
Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender Lufthansa
„All das sind einschneidende Maßnahmen, die keinem Beteiligten leicht fallen und das glauben Sie mir hoffentlich. Aber dennoch, das haben wir versucht zu erklären, unumgänglich sind.“


