Sonderausstellung zur Grube Messel

Wie sah es rund um Darmstadt wohl vor hunderten Millionen von Jahren aus? Die Statt Wäldern und Feldern, Städten und Dörfern, ragten einst gewaltige Gebirge in die Höhe und es brodelten Vulkane. Die neue Sonderschau „30 plus“ im UNESCO Weltnaturerbe Grube Messel lässt uns unsere Heimat mit einem vollkommen neuen Blick entdecken.

Wir sind in Südhessen, genauer in Messel bei Darmstadt. Vor 48 Millionen Jahren bricht hier ein Vulkan aus und das ändert alles. Die Landschaft, das Klima, die Tierwelt. Ein neues bewegliches 3D-Modell zeigt die Entstehung der Grube Messel. Damals ein gigantischer Vulkansee.
Philipe Havlik, Geschäftsführer Grube Messel
„In diesem See wurde ein Ökosystem konserviert, das als weltweit einzigartiges Relikt der Paläontologie gilt. Wir haben ein Ökosystem aus der Zeit der frühen Evolution der Säugetiere, aus dem Eozän, dem Zeitalter der Morgenröte. Die Grube Messel vor 48 Millionen Jahren war ein tropisches Paradies. Es war superwarm, weit über 20 Grad im Jahresmittel. Es hatte aber auch die ganzen schlimme Anteile, die man dann erwartet. Große Schlangen, große Krokodile, und eine üppige Vegetation, eine üppige Vielfalt der Biodiversität, die wir hier erleben durften.“
Der Erhaltungszustand der Fossilien, die in der Grube gefunden werden, ist weltweit einzigartig. Aber auch 30 Kilometer rund um das Weltnaturerbe herum, gibt es sensationelle Funde. Sie werden in der Ausstellung Messel 30+ gezeigt. Es geht um einen Zeitraum von über 560 Millionen Jahren. Es gibt versteinerte Miniatursaurier aus Darmstadt und ein Nilpferdgebiss aus Eich. Die Nilpferde haben dort, am heutigen Rheinufer zusammen mit Wasserbüffeln gelebt. Und zwar in der Eiszeit. Das haben Wissenschaftler gerade erst herausgefunden.
Philipe Havlik, Geschäftsführer Grube Messel
„Seit letztem Jahr wissen wir, dass Wasserbüffel und Nilpferde zeitgleich mit Mammuts hier lebten, mitten in der Kaltzeit. Es war einfach kurz mal für ein paar hundert Jahre schön warm und da haben die sich ganz, ganz wohl gefühlt, hier mitten im Oberrheintal.“
25 Millionen Jahre alte Schnecken aus einer Meereslagune bei Hochheim. – Im Sandstein vom Roten Hang in Nierstein sind Saurier durch sumpfige Landschaften gestapft. Der Unterkiefer eines Mammuts aus Nieder-Roden. Im heutigen Rheinhessen und Südhessen war mächtig was los.
Philipe Havlik, Geschäftsführer Grube Messel
„Der Hintergrund ist der, das in Südhessen ganz viele geologische Prozesse abgelaufen sind. Zweimal wurde ein Gebirge aufgefaltet. Einmal war Frankfurt auf der Höhe des Himalayas, und irgendwann hat sich der Rhein entschieden, da muss man ein Tal reinmachen. Es spaltet sich ein Kontinent. Frankreich trennt sich von Deutschland und der Rheintalgraben entsteht. So viele große, weltweite Prozesse entstehen, auf so kleinem Raum. Das gibt es super selten.“
Mikroskopaufnahmen von Gesteinen zu unterschiedlichen Zeiten als Teppich. An den verschiedenen Farben ist erkennbar, wie viel sich in einem Zeitraum von 560 Millionen Jahren 30 Kilometer rund um Messel verändert hat.