Festspiel-Casting: Wer hat das Zeug zum Bühnenstar?

Vor vielen Menschen auf einer Bühne stehen – für viele undenkbar, für andere wiederum ein großer Traum. Bei den Bad Camberger Festspielen haben jedes Jahr Menschen mit und ohne Schauspielerfahrung die Möglichkeit, vor einem großen Publikum Theater zu spielen. Doch dafür mussten sie sich gestern Abend im Casting behaupten.

Ein reiselustiges Landei aus Camberg, das in Berlin eine Nervenheilanstand besichtigen möchte. Darum geht es in der Komödie „Pension Schöller“, für das Jörn Kühnel vorspricht. Schon häufiger hat er bei den Bad Camberger Festspielen mitgemacht und auch in diesem Jahr will er wieder eine Rolle ergattern.
Jörn Kühnel
„Emotionsregungen aus sich selbst herauszuholen, die man irgendwo vergraben hat, die man vielleicht nicht so häufig einsetzt im täglichen Leben und die dann bis zum Exzess sozusagen auf der Bühne darzustellen. Das ist immer wieder schwierig und immer wieder schön.“
Jennie Schreibweis macht heute ihre allererste Theatererfahrung. Schon lange hat sie den Wunsch, Theater zu spielen. Heute traut sie sich endlich zum Casting und bringt das erste Vorsprechen als Amalie souverän hinter sich.
Jennie Schreibweis
„Besser wie ich dachte. Aber es sitzen halt auch keine 300 Leute dir gegenüber. Ich bin echt mal gespannt, wenn ich wirklich eine Rolle kriegen sollte, wie’s dann wird.“
Heute Abend bewerben sich ausschließlich Laienschauspieler. Wer am Ende welche Rolle bekommt, darüber entscheidet Regisseur Timo Pfanzer. Mit kritischem Blick achtet er darauf, wie die Schauspieler ihre Rolle verkörpern und wie sie miteinander spielen. Einige Kriterien müssen die Bewerber erfüllen.
Timo Pfanzer, Regisseur Bad Camberger Festspiele
„Spaß am Theater, Spaß an der Kunst, Spaß, andere Leute zu erfreuen, ein gewisses Talent natürlich, sich auf eine Bühne zu stellen und ein Publikum begeistern zu wollen, das ist wichtig. Natürlich Ausstrahlung, Charisma.“
Am Ende des Castings sind so gut wie alle Rollen verteilt. Bis zur Aufführung im August ist aber noch viel zu tun: Das Bühnenbild muss gebaut werden und die Kostüme besorgt. Das Wichtigste ist aber: Texte lernen. Jeder Schauspieler kriegt deshalb direkt ein Textbuch mit nach Hause. Denn noch ist genug Zeit, damit dann in vier Monaten auch wirklich jeder Satz sitzt.