Chemie-Unternehmen leiden unter Iran-Krieg

Hohe Spritpreise, steigende Energiekosten, explodierende Düngerpreise – fast täglich gibt es derzeit neue Hiobsbotschaften. Die ohnehin krisengeplagte Wirtschaft muss nun zusätzlich auch die Folgen des Irankriegs verkraften. Vor allem viele mittelständische Unternehmen kämpfen darum, ihre Verluste zu begrenzen. So auch der Chemiekonzern „Gechem“ in der Pfalz.

Sulfaminsäure: Als Rohstoff unverzichtbarer Bestandteil von WC- und Spülmaschinen-Tabs. Für deren Herstellung muss der pfälzische Chemiekonzern „Gechem“ Sulfaminsäure aus Asien importieren – europäische Hersteller gibt es nicht. Weil man für die Herstellung der Säure Erdöl braucht, sei der Preis laut „Gechem“-Chefin Martina Nighswonger innerhalb kürzester Zeit um 30 Prozent gestiegen. Nur ein Beispiel von vielen.
Martina Nighswonger, Gechem-Chefin
„Es wird von Woche zu Woche schlimmer. Der Anfang war eigentlich okay, die Frachten werden teurer, Benzin, Diesel, Energie wird teurer. Aber mittlerweile ist es so, dass Rohstoffe betroffen sind. Und jetzt seit neuestem auch Packmittel. Also insbesondere Packmittel, in denen Kunststoff zum Einsatz kommt.“
Dass die angekündigte Waffenruhe im Iran die Situation schnell entspannen wird, bezweifelt Nighswonger. Ihr Unternehmen sei schon lange vor dem Irankrieg unter Druck gewesen.
Martina Nighswonger, Gechem-Chefin
„Seit Corona hat die Wirtschaft in irgendeiner Weise gelitten und hat sich nicht wieder richtig berappelt. Jetzt hätten wir gerade den Irankrieg, aber davor hatten wir den Überfall auf Israel, der sich auch ausgewirkt hat. Also die geopolitische Lage die greift jetzt…eigentlich seit 2019 gibt’s keine Ruhe.“
Umso entschiedenere Schritte wünscht sich Nighswonger deshalb schon seit langem beim Thema Bürokratieabbau.
Martina Nighswonger, Gechem-Chefin
„Ich komme mir vor, wie eine Langspielplatte, die hängt. Weil wir seit Jahren über das Thema Bürokratieabbau sprechen. Gefühlt wird es immer mehr. Deutschland braucht mal einen Plan. Einen Plan, wie die Wirtschaft wieder anspringt. Mit zusätzlicher Bürokratie springt die nicht an und der Mittelstand auch nicht. Der Mittelstand geht langsam vor die Hunde.“
Einen Teil der gestiegenen Kosten kann Nighswonger an ihre Großkunden weitergeben. Holen die sich ihr Geld vom Verbraucher zurück, wird es auch im Supermarkt teurer. Eine weitere Möglichkeit Produktionskosten zu senken, wäre der Abbau von Arbeitsplätzen – eine Option, an die Nighswonger aktuell noch nicht denken will.