Hilfe für Mobbing-Opfer

Psychische Gewalt in Form von Mobbing – vor allem an Schulen ein immer heftigeres Problem. Laut aktuellem Schulbarometer wird fast jeder dritte Schüler mindestens einmal im Monat beschimpft, bedroht oder sogar körperlich angegriffen. Lehrkräfte sind damit häufig überfordert oder schauen weg. So erging es Norman Wolf. Er wurde Opfer massiven Mobbings. Heute hilft der Hesse anderen Betroffenen und spricht darüber an Schulen.

Die Schülerinnen und Schüler, vor denen Norman Wolf heute steht, sind im gleichen Alter wie er damals – als das Mobbing begann. Angefangen hat es auf einer Klassenfahrt in der fünften Klasse. Danach sei er gebrandmarkt gewesen – als „Mobbingopfer“.
Norman Wolf, Autor
„Und dann ging es wirklich bis hin zu Sachen, wie dass mir ein Hakenkreuz auf die Stirn gekratzt wird im Unterricht, dass meine Sachen aus dem Fenster geworfen werden. Dass mir im Bus nach Hause auf den Kopf gespuckt wird. Dass mir auch einfach ins Gesicht geschlagen wird in der Pause und meine Nase blutet. Also es war alles dabei.“
Das jahrelange Mobbing prägt den zurückhaltenden Jungen.
Norman Wolf, Autor
„Was damals aufkam und was mich seitdem nie mehr verlassen hat, war die Angst. Also die war immer da. Es war die Angst in die Schule zu gehen, es war die Angst vor dem nächsten Tag, die war allgegenwärtig.“
„Und irgendwann kam bei mir der Zeitpunkt, da hat es bei mir vielleicht zwei, drei Jahre gedauert, dass ich soweit war, dass ich dachte ich bin irgendwie wertlos. Ich bin so wertlos, dass man mich anspuckt. Ich bin so wertlos, dass ich gar nicht verdient habe Platz auf der Welt einzunehmen.“
Mit zwölf Jahren, sagt Norman, wollte er sterben. Mit der sechsten Klasse der Bernhard-Adelung-Gesamtschule in Darmstadt spricht er offen darüber. Für viele ist das Thema erschreckend vertraut.
„Hebt mal die Hand, wenn ihr auch schon mal Mobbing erlebt habt.“
Elf von 23 Schülerinnen und Schülern melden sich. Keine Ausnahme.
Fin, 12 Jahre alt
„Wenn ich über den Schulhof gehe, dann bekomme ich schon diskriminierende Worte. Zum Beispiel, weil ich zwei Ohrringe habe, das ich schwul wäre oder so.“
Amelie, 11 Jahre alt
„Als ich nach Hause ging wurde ich runtergeschubst und beleidigt. Und als ich nach Hause kam versuchte ich einfach nicht zu weinen und wollte halt nicht meine Mutter sehen.“
Die Lehrkräfte, die als erste eingreifen könnten, bekommen das Mobbing oft gar nicht mit, berichten uns die Schüler.
Fin, 12 Jahre alt
„Es wäre viel schöner hier auf dieser Schule, wenn es mal weniger Mobbing gibt. Ich würde mir mal wünschen, dass die Lehrer mal mehr zuhören würden, weil viele Kinder wissen einfach nicht was sie machen sollen, rennen einfach weg, wollen sich auflösen, aber das geht nicht.“
Für den Schulleiter der Bernhard-Adelung-Gesamtschule braucht es mehr Sozialpädagogen und Psychologen – vor allem aber ein Umdenken: Weg vom Modell, dass eine Lehrkraft allein für 25 Schüler verantwortlich ist.
Alexander Siede, Schulleiter Bernhard-Adelung-Gesamtschule
„Wenn wir mehr Zeit haben für die individuellen Probleme der Schüler, dann können wir wirklich was erreichen. Aber Zeit bedeutet mehr Personal im Grunde und auch mehr Ressourcen und das kostet Geld.“
Geld, das vielen Schulen fehlt. Norman Wolf will trotzdem Mut machen und den Schülern zeigen: Ihr seid nicht allein.
Norman Wolf, Autor
„Die wichtigste Botschaft ist, dass niemand Mobbing aushalten muss. Dass es immer einen Weg daraus gibt. Dass niemand nur dasitzen und aushalten muss was passiert, sondern dass man immer die Möglichkeit hat darüber zu sprechen und sich Hilfe zu holen. Und wenn man das Gefühl hat da ist eine Person die hilft mir nicht, dann geht man zur nächsten Person und solange bis man echte Hilfe bekommt.“
Heute weiß er: Früher darüber zu sprechen, hätte vieles verändert. Damit Schule kein Ort der Angst bleiben muss.