Die Dosis macht das Gift – Ausstellung in Wiesbaden

Komodowarane sind nicht nur die größten Echsen der Welt – sie können auch sehr gefährlich werden, wenn man ihnen zu nahe kommt. Denn beißen sie einmal zu, kommt Gift in die Wunde und die hört dann nicht mehr auf zu bluten. Die Natur hat schon ausgefeilte Formen der Abwehr. Was unterschiedliche Gifte bewirken können, zeigt eindrucksvoll eine große Ausstellung im Museum Wiesbaden.

Starke Muskelschmerzen, Bauchkrämpfe, Erbrechen. Ein Biss der schwarzen Witwe ist selten tödlich. Aber schmerzhaft. Die Spinne ist echt. Der Besuch der Ausstellung Gift ist also nicht unbedingt geeignet für Arachnophobiker. Alle anderen mehr oder weniger giftigen Organismen sind ganz ungefährliche Modelle. Ursprünglich bedeutet Gift Gabe. Oft, eine tödliche Gabe. Auch bei Pflanzen und Pilzen.
Andreas Henning, Direktor Museum Wiesbaden
„Gifte faszinieren uns, weil zu einem wir Menschen durch Gifte bedroht werden, also auch Gifte, die die Natur produziert. Wir haben zum Beispiel die Seewespe hier in der Ausstellung. Eine gigantische Qualle, die in der flachen Küste vor Australien schwimmt und die auch für den Menschen, wirklich gefährlich ist, und dann gehen wir Menschen wirklich auch mit Giften um, indem wir sie einsetzen, um uns gegenseitig umzubringen. Sei es in Kriegen, oder sei es, um Widersacher zu beseitigen. Also diese Spannbreite, an Giftthemen, ich glaube, das ist das, was die Faszination ausmacht.“
Ein Frankfurter Drogist bringt Anfang des 20. Jahrhunderts fast seine ganze Familie mit Digitalis, dem Gift des Fingerhuts, um. Auch Penicillin ist eine Art Gift, es wirkt toxisch auf Bakterien. Viele Medikamente beinhalten Gifte. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist. Ein Ausspruch des berühmten Arztes Paracelsus im 16. Jahrhundert.
Katriina Ott, Kuratorin der Ausstellung „Gift“
„Man kann nicht sagen, dass Gifte was Schlechtes sind. Sie sind weder gut, noch schlecht. Es kommt immer darauf an, wie sie eingesetzt werden.“
Zum Beispiel als Bestandteil einer im 19. Jahrhundert angesagten Farbe für Tapeten und Stoffe. Giftgrün. Grell leuchtend durch die Beimischung von Arsen und deshalb extrem giftig. Bei den alten Griechen eine Hinrichtungsmethode: der Schierlingsbecher. Ein Getränk aus den Früchten des giftigen gefleckten Schierlings. Auch dieser äußerst süße Plumplori ist lebend hochtoxisch.
Andreas Henning, Direktor Museum Wiesbaden
„Der in seiner Armbeuge Drüsen hat, mit denen er Gift produziert. Wenn er angegriffen wird, streicht er dieses Gift auf die Zähne des Unterkiefers, und wenn er dann zubeißt, schmerzt und entzündet sich die Haut an der zugebissenen Stelle.“
Bis April kommenden Jahres bleibt es im Museum Wiesbaden hochtoxisch. Ganz unerschrockene Besucher können einige der potenziell giftigen Ausstellungsobjekte auch anfassen. Und bisher ist noch keiner von der Tarantel gestochen worden.