Zu wenig Freiwillige – kommt eine Pflichtfeuerwehr?

Was passiert, wenn es brennt – doch die Feuerwehr kommt erst, wenn es zu spät ist? Ein Szenario, das im Taunussteiner Stadtteil Watzhahn so geschehen kann, denn dort gibt es nicht mehr genügend Freiwillige für die Feuerwehr. Nur noch vier Männer engagieren sich in diesem Stadtteil und das kann schwere Folgen haben, denn die alleine können keinen Brandschutz sichern.

Die Sirenen heulen, es brennt! Doch die Feuerwehr darf nicht ausrücken. Der Grund: Es fehlen Feuerwehrleute. Bei der freiwilligen Feuerwehr in Taunusstein-Watzhahn sind gerade einmal vier Männer übrig. Zu wenig, um im Notfall die Leiter schnell genug zu positionieren. So kann  die Hilfsfrist von 10 Minuten nicht eingehalten werden.
Sebastian Faber, Wehrführer
„Ich sag mal mit drei Jungen kriegt man die relativ schnell gestellt. Wir sind ja jetzt schon im betuchten Alter. Dann dauert es schon etwas länger, es geht, aber es tut halt echt extrem weh.“
Die freiwillige Feuerwehr Watzhahn braucht eigentlich 18 potentielle Einsatzkräfte. Wird diese Zahl nicht erreicht, muss die Kommune  eine Pflichtfeuerwehr einberufen. Heißt: Männer und Frauen zwischen 18 und 50 Jahren  werden dann zum Dienst verpflichtet. Ein Schritt, den alle vermeiden wollen.
Hans-Joachim Hippler, Stellv. Stadtbrandinspektor Taunusstein
„Es ist halt ein kleines Ort mit 270 Einwohnern. Man muss halt jetzt wirklich rühren, was wir auch schon gemacht haben die ganze Zeit aber es haben sich bis jetzt wenige interessiert für die Feuerwehr.“
Das war nicht immer so. 2002 gab es hier sogar noch eine Jugendfeuerwehr. Da war das mit dem Nachwuchs kein Problem.
Michael Leukel, Freiwilliger Feuerwehrmann
„Ich kann auch nicht verstehen, dass keiner mehr Interesse an der Feuerwehr hat. Das war früher einfach ein Muss, wenn man alt genug war, dass man zur Feuerwehr geht.“
Heute wohnen in Watzhahn überwiegend ältere Menschen. Die Jüngeren ziehen immer öfter weg. Das Ehrenamt bleibt an wenigen hängen, die trotzdem weitermachen.
Michael Leukel, Freiwilliger Feuerwehrmann
„Ich bin stolz hier noch dabei zu sein. Ich hätte normal schon aufhören müssen. Ich habe dann verlängert bis zum 65. Lebensjahr und das habe ich auch bald rum. Aber jetzt darf ich bis 67 bleiben und ich mache es gerne.“
Bisher interessiert sich nur ein junges Paar  für die Feuerwehr – sie sind heute zum zweite Mal vor Ort und schauen bei einer Übung zu. Dabei gibts im Ehrenamt jede Menge zu lernen.
Lilly-Marie Lörsch, 24 Jahre alt
„Natürlich die Praxis, auch so ein bisschen eigene Ängste vielleicht zu besiegen. Zum Beispiel habe ich Höhenangst, damit ihr das jetzt auch alle wisst. Und das ist natürlich auch ein guter Ort, um sich dem zu stellen und zu wachsen.“
Die Männer würden sich über eine Frau im Team freuen. Und sowieso ist hier jeder willkommen, der für das Ehrenamt brennt.
Hans-Joachim Hippler, Stellv. Stadtbrandinspektor Taunusstein
„Wir können jeden gebrauchen, der hier Spaß an der Sache hat und der Spaß kommt im Grunde mit dem gemeinsamen Erleben Feuerwehr.“
Bis zum Herbst bleibt noch Zeit Freiwillige Feuerwehrleute zu finden, sonst wird verpflichtet. Bis dahin trainieren die Watzhahner  Einsatzkräfte weiter. Mit Feuer und Flamme für ihren Ort.