Reportagen und Nachrichten von Exiljournalisten
„Amal“ – das ist arabisch und heißt übersetzt: Hoffnung. Genauso heißt auch eine Nachrichten-Plattform, die sich gezielt an Flüchtlinge richtet. Das Besondere: Auch die Journalisten, die dort arbeiten, sind Flüchtlinge. Sie schreiben nicht auf Deutsch, sondern in ihrer Landessprache. Finanziert wird die gemeinnützige Plattform unter anderem von den Evangelischen Kirchen und der Europäischen Union.
Sie stammen aus Syrien, Afghanistan, dem Iran oder der Ukraine. Die Redakteure die hier in Frankfurt arbeiten, sind alle Flüchtlinge. Jeden Mittwoch besprechen sie die aktuellen Themen für die Nachrichtenplattform „Amal“.
Julia Gerlach leitet die Redaktion. Die frühere Nahost-Korrespondentin hat das Projekt 2015 mitgegründet.
Julia Gerlach, Gründerin von „Amal“
„Es dauert relativ lange, um so gut Deutsch zu lernen, dass man die Frankfurter Rundschau lesen kann oder die FAZ. Dafür muss man sehr lange Deutsch lernen. Wir sind davon überzeugt, dass es wichtig ist, dass man von Anfang an, wenn man angekommen ist, sich zurechtfinden kann, weil man dann auch eine größere Motivation hat sich zu beteiligen und dass es auch wichtig ist, dass man versteht, was passiert in der Stadt. Dann geht das mit der Integration viel schneller.“
Die Beiträge auf „Amal“ erscheinen auf Arabisch, Persisch und seit 2022 auch auf Ukrainisch. Viktoriia Chernykova-Berezdetska arbeitet seit 2023 bei „Amal“. Sie stammt aus der ukrainischen Stadt Charkiw. Nach dem russischen Angriff flieht sie mit ihrem Sohn nach Deutschland. Hier als Journalistin einen Job zu finden, dass ist trotz 20 Jahren Berufserfahrung so gut wie unmöglich.
Viktoriia Chernykova-Berezdetska, Redakteurin ukrainische Redaktion
„Natürlich ohne Deutschkenntnisse kann ich nicht in meinem Bereich arbeiten. Für mich war es eine wirklich große Frage, wo kann ich in der Branche arbeiten, weil mein ganzes Leben war ich in Medien als Journalistin tätig.“
Heute gehört sie zu einem Team von mehr als 20 Exiljournalisten. Sie berichten über Politik, Jobmöglichkeiten für Flüchtlinge und persönliche Geschichten. Oft in Form von Reels auf Social Media – ein wichtiger Weg für das junge Medium, um seine Zielgruppe zu erreichen.
Ronnie Darwish, Videoredakteur
„Du hast bei sozialen Medien einfach diese Option, dass du eine Kombination hast aus Menschen, die zufällig deine Inhalte sehen und Menschen, die absichtlich deine Seite aufrufen.“
So konnte sich „Amal“ in wenigen Jahren als Nachrichtenplattform etablieren. Sie liefert Informationen und Geschichten rund um Migranten, die in anderen Medien kaum vorkommen.
Julia Gerlach, Gründerin von „Amal“
„Es geht natürlich auch darum Leuten eine Stimme zu geben. Wenn man hier eine Veranstaltung macht beispielsweise für ukrainische Frauen, dann berichten darüber deutsche Zeitungen nicht. Das ist zu speziell, zu klein. Aber bei uns kommen sie vor.“


