Spediteur-Verband warnt: Spritpreise treiben Branche in den Ruin

Markus Appelmann spricht mit Dirk Engelhardt, dem Vorstandssprecher des Bundesverbands Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung.

Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung:
Schönen guten Abend, Herr Appelmann.
Markus Appelmann, Moderator:
Herr Engelhardt, für die Betriebe in der Transportbranche haben die teuren Spritpreise erhebliche Folgen, sind teilweise sogar existenzgefährdend. Wie ernst ist die Lage?
Engelhardt:
Die Lage für unsere Mitglieder, für die mittelständischen deutschen Transportunternehmen ist sehr, sehr ernst. Über 30 % der Gesamtkosten sind Kraftstoffkosten und bei den derzeitigen Dieselpreisen sind viele unserer Mitgliedsunternehmen in der Existenz bedroht.
Appelmann:
Die Kosten für die Spediteure steigen. Das heißt doch im Umkehrschluss, alles was sie transportieren, wird dann für die Verbraucher teurer?
Engelhardt:
Dadurch, dass die Gewinnmargen im Transportgewerbe zwischen 0,1 und 3 % liegen, kann das nicht von den Unternehmern geschultert werden, sondern wird weitergegeben. Heißt im Klartext: Alle Güter des täglichen Verbrauchs werden teurer. Von den Produkten im Supermarkt über Drogerie bis hin zum Gartenbedarf, der jetzt gerade ansteht. Das werden die Endverbraucher merken.
Appelmann:
Sie sagen also: Die Maßnahmen der Bundesregierung reichen nicht aus. Welche weiteren Entlastungen braucht Ihre Branche, was fordern Sie von der Politik?
Engelhardt:
Wir als BGL, als Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung erwarten von der Politik ein zielgerichtetes Handeln. Zum einen wollen wir, dass der Koalitionsvertrag umgesetzt wird. Da steht drin: keine Doppelbelastung für das Straßentransportgewerbe. Im Moment bezahlen unsere Mitglieder an der Zapfsäule 17 bis 20 Cent CO2-Aufschlag. In der Maut, die wir in der Größenordnung 0,34 € pro Kilometer haben, ist in der gleichen Größenordnung eine CO2-Komponente enthalten. Wenn man nur den Koalitionsvertrag umsetzt, wäre das eine sofortige Entlastung von 0,20 €, die unsere Mitgliedsunternehmen an die Endverbraucher weitergeben könnten. Zum anderen erwarten wir von der Politik, dass man sich im europäischen Ausland umschaut. Polen hat vorgemacht. Das ist eine Best Practice Lösung. Ein polnischer Unternehmer mit 50 LKW hat gegenüber einem vergleichbaren deutschen Unternehmen einen Kostenvorteil von über 500.0000 € pro Jahr. Das ist existenzgefährdend für den deutschen Mittelstand. Und wir denken alle an die Corona-Krise oder an irgendeinen Versorgungsfall, eine Krise, ein Verteidigungsfall. 85 % aller Güter in Deutschland werden mit dem LKW transportiert. Wenn man den deutschen Mittelstand ruinieren will, dann bitte weiter so!
Appelmann:
Die Politik hat reagiert – doch das reicht noch lange nicht. Das sagt Dirk Engelhardt vom Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung. Danke Ihnen.
Engelhardt:
Ich danke Ihnen.