Zoos suchen nach Maßnahmen gegen Platzmangel

Unsere Gesellschaft wird immer älter. Das ist allseits bekannt. Deutlich seltener wird darüber gesprochen, dass es bei Tieren genauso aussieht. Zumindest bei Zootieren. Eine Studie der Frankfurter Goethe-Universität belegt, dass Säugetiere in Zoos im Durchschnitt immer älter werden. Und genau das kann zum Problem werden.

Für diese Kattas im Opel-Zoo in Kronberg herrscht Fortpflanzungs–Stopp. Einfach gesagt: Nachwuchs verboten. Das Verhütungsmittel der Wahl heißt in diesem Fall Gleichgeschlechtlichkeit. Die Gruppe besteht ausschließlich aus Weibchen. Der Grund für die Maßnahme: Für Katta-Babys fehlt im Opel Zoo der Platz. Eine Studie der Goethe-Uni zeigt: kein Einzelfall, im Gegenteil.
Prof. Paul Dierkes, Biologe an der Goethe-Uni Frankfurt
„Also im Prinzip, das Hauptergebnis der Studie ist, dass Zootierpopulationen insgesamt, also wirklich global betrachtet, älter werden im Durchschnitt. Daraus folgt, dass der zur Verfügung stehende Platz, der ist nicht größer geworden, und damit sinkt natürlich die Anzahl der fortpflanzungsfähigen Tiere und damit natürlich auch der Anteil der Jungtiere. Und das kann langfristig ein Problem sein, diese Populationen zu erhalten.“
Ein Problem, das Zoos lösen müssen. Das Zauberwort heißt  Populationsmanagement, eine gezielte Steuerung der Tierbestände. Dafür gibt es verschiedene Maßnahmen. Besonders brutal klingt die Lösung, alte Tiere aus der Population herauszunehmen, sprich zu töten. Zuletzt so geschehen im Nürnberger Zoo. Aus Sicht des Opel-Zoo-Direktors aber die einzig wirklich praktikable Lösung.
Thomas Kauffels, Direktor Opel-Zoo
„Das ist die einzige Lösung, die läuft auch in der Natur so. Weil wir im Zoo die natürliche Beschränkung von Populationen, wie zum Beispiel Krankheit oder Futtermangel oder Raubtiere ausschließen und dann müssen wir im Zoo ein anderes Werkzeug haben, um die Tierpopulationen lebensfähig zu erhalten.“
Für dieses Ziel braucht es aus Sicht der Zoos genug zuchtfähige Tiere. Die braucht es für den Nachwuchs. Und den braucht es langfristig, um die Art an sich zu erhalten. Tiere Töten, um eine Art zu erhalten – für Zoos ein Dilemma. Tierschützer kritisieren die Methode.
Hester Pommerening, Deutscher Tierschutzbund
„Ganz egal wie alt diese Tiere sind: Gesunde Tiere zu töten, weil durch Züchtung kein Platz mehr ist das kann keine Lösung sein. Das ist aus unserer Sicht auch klar tierschutzwidrig. Weil wir haben ein Tierschutzgesetz, in dem steht, dass es einen vernünftigen Grund braucht, um Tiere zu töten und Populationsmanagement ist kein vernünftiger Grund. Als Halter haben Zoos eine Verantwortung ihren individuellen Tieren gegenüber und dann einfach zu sagen: Okay, diese Tiere müssen weg, damit neue nachkommen können, das darf nicht sein und ist auch ethisch höchst fragwürdig.“
Der Platzmangel im Kronberger  Katta-Gehege  zeigt aus Sicht der Tierschützer, dass das Konzept Zoo an seine Grenzen stößt. Der Zoo hingegen würde gerne zu härteren Maßnahmen greifen.Doch eine für alle Seiten  zufriedenstellende Lösung ist noch nicht gefunden.