Schwierige Wohnungssuche für Menschen mit Behinderung

Es gibt zu wenig bezahlbare Wohnungen. Das trifft eine Gruppe besonders hart: nämlich Menschen mit Behinderung. Denn barrierefreie Wohnungen sind Mangelware. Wir zeigen Ihnen, wie sich ein junger Mann aus dem Rhein-Main-Gebiet den Traum von seiner eigenen Wohnung erfüllt hat.

Felix Kochen ist 34 Jahre alt und lebt alleine in einer Wohnung in Frankfurt. Davor lebte er bei seinen Eltern in einem barrierearmen Haus. Durch seine Querschnittslähmung ist er von klein auf auf einen Rollstuhl angewiesen. Trotzdem wächst vor neun Jahren der Wunsch in ihm, in eine eigene Wohnung zu ziehen.
Felix Kochen, 34 Jahre alt
„Es war einfach an der Zeit, dass ich für mich gedacht habe: Jetzt würde ich gerne mal ausziehen und dann habe ich meinen Eltern gesagt: ‚So, ich würde gerne ausziehen‘ und dann haben wir ein bisschen gesucht und überlegt, wie geht es weiter.“
Das ist der Punkt, an dem viele Familien irgendwann verzweifeln. Zunächst muss die Wohnung barrierefrei sein. Oft sind die Bewohner aber auch noch auf Unterstützung angewiesen. Gerade wenn sie vorher noch nicht alleine gelebt haben. Das gestaltet die Suche schwierig. Felix Kochen hat seine Wohnung nur durch einen Zufall bekommen. Ein Verwandter verwies ihn direkt an die Lebenshilfe Frankfurt. Hier bekommt er Unterstützung, falls er sie benötigt.
Felix Kochen, 34 Jahre alt
„Ich wohne recht selbstständig. Habe aber dreimal die Woche Betreuung, also Assistenz – zum Beispiel im Behördlichen bekomme ich Unterstützung, dann im Haushalt auch ein bisschen. Bettbeziehen ist etwas, was alleine nicht so gut geht.“
Ohne die Lebenshilfe könnte sich Felix eine solche Wohnung nicht leisten. Ein Problem, das auch andere Wohnungssuchende mit Behinderung haben. Bei der Lebenshilfe Hessen melden sich regelmäßig Familien, die verzweifelt eine Unterkunft suchen.
Alexander Hagen, Lebenshilfe Landesverband Hessen e.V.
„Nach UN-Behindertenrechtskonvention und Bundesteilhabegesetz hat jeder Mensch mit Beeinträchtigung einen rechtlich versicherten Anspruch darauf, so leben zu können wie er oder sie es wünscht. Und wenn wir mehr Wohnungen hätten, wäre das leichter umsetzbar. Von daher auch unser Aufruf an die Politik: Da muss etwas gemacht werden, dass es mehr barrierearmen Wohnraum gibt.“
Dass jeder angemessenen und bezahlbaren Wohnraum findet, sei auch das Ziel des hessischen Wirtschaftsministeriums. Das Land fördere rollstuhlgerechte Sozialwohnungen beispielsweise mit einem Zuschlag von 150 Euro pro Quadratmeter. Und auch der Umbau eines selbstgenutzten Wohneigentums könne mit bis zu 50 Prozent gefördert werden.
Wirtschaftsministerium Hessen
„Ziel des Programms ist es, dass Menschen mit Behinderungen weiter einen eigenen Haushalt führen sowie selbstständig und unabhängig leben können. Hierfür stehen jährlich 3 Millionen Euro im Landeshaushalt zur Verfügung.“
Laut der Lebenshilfe Hessen fehle es aber schlichtweg an genügend Wohnungen. Deutschlandweit seien gerade einmal 2,5 Prozent der Wohnungen barrierefrei.
Felix Kochen hatte Glück. Er fühlt sich in seiner Wohnung wohl und für ihn bedeutet sie ein Stück Teilhabe. Doch viele andere Menschen mit Behinderung und ihre Familien sind oft monate – oder jahrelang auf der Suche nach einer Chance für ein bisschen mehr Selbstbestimmtheit.