Wirtschaft fordert: Bürokratie muss endlich abgebaut werden

Die Wirtschaft in Rheinland-Pfalz schlägt kurz vor der Landtagswahl in zweieinhalb Wochen Alarm. Viele Unternehmen klagen über zu viel Bürokratie und immer neue Dokumentationspflichten. Das kostet Zeit und vor allem Geld. Wir haben eine Baustelle in der Pfalz besucht und die Frage gestellt: Wie stark belastet die Bürokratie die Betriebe?

Hier wird gespachtelt, gestrichen und verputzt. Während auf dieser Baustelle im pfälzischen Kandel Wände gestaltet werden, müssen die Mitarbeiter im Büro dokumentieren, welche Materialien verwendet wurden und woher sie stammen. Für Geschäftsführerin Claudia Sturm ist das ein wachsendes Problem. Sie sagt: An vielen Baustellen entstehe ein enormer Dokumentationsaufwand.
Claudia Sturm, Geschäftsführerin C&U Sturm GmbH
„Manchmal bei einem großen Bauvorhaben sind das sechs, sieben Ordner, die dann zum Kunden geschickt werden. Der muss sie dann archivieren. Und vielleicht braucht er irgendwann eine Seite daraus. Also, wir könnten das viel effizienter machen, indem man einfach ein DIN A4-Blatt mit den Produkten einfach runterschreibt und nicht immer ein Produktdatenblatt zu allem.“
Acht der 90 Mitarbeiter des Betriebs arbeiten in der Verwaltung. Zu den ganzen Datenblättern, Prüfvermerken und Nachweisen gesellen sich immer neue Vorschriften aus Brüssel, Berlin und Mainz, so die Chefin. Schritt zu halten werde da immer schwieriger.
Claudia Sturm, Geschäftsführerin C&U Sturm GmbH
„Die ganzen Pflichten auch immer mitzubekommen und sich einzulesen, dass man keinen Fehler macht und keine hohen Strafen hat, da haben wir einen Mitarbeiter, der nur … und der stöhnt immer ziemlich viel, weil er einfach sagt: ‚Ich kann gar nicht alles richtig machen. Es ist zu viel. Ich ersticke in diesen ganzen Richtlinien.‘“
Mitarbeiter, die sich nur um Dokumentation und Papierkram kümmern. Keine Seltenheit mehr in vielen Betrieben. Auch die Industrie- und Handelskammern sehen für die künftige Landesregierung Handlungsbedarf.
Karina Szwede, Hauptgeschäftsführerin IHK für Rheinhessen
„Also auf jeden Fall Fokus auf Wirtschaftswachstum setzen. Wettbewerbsfähigkeit stärken. Und verstehen, dass Unternehmer ihrem Kerngeschäft widmen wollen und keine Zeit verbringen wollen mit Berichtspflichten, Dokumentationspflichten und langsamen Genehmigungsverfahren.“
Die Landesregierung hat in der vergangenen Legislaturperiode zwei Bürokratieabbau-Pakete auf den Weg gebracht. Sie sehen zum Beispiel vor, dass Bauaufträge leichter ohne Ausschreibung vergeben werden können. Bürokratieabbau sei ein großes Thema in den Betrieben, weiß auch Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt.
Daniela Schmitt (FDP), Wirtschaftsministerin RLP
„Daran arbeiten wir mit größtem Engagement weiter. Vieles ist es aber auch auf der Bundesebene zu regeln und da werden wir weiter Druck machen, dass hier auch die Dinge erleichtert werden müssen. Ich finde, es ist auch viel zu viel Bürokratie in den letzten Jahren entstanden. Oftmals auch mit einem gewissen Misstrauen. Von daher sage ich ganz klar: Wir brauchen wieder mehr Freiraum für die Unternehmen und deswegen auch mehr Vertrauen.“
Einigkeit bei Politik und Wirtschaft. Doch für Claudia Sturm zählt vor allem, dass schnell etwas passiert. Weniger Akten, mehr Handwerk – das würde ihrem Betrieb helfen. Denn während es auf der Baustelle vorangeht, wächst im Büro vor allem eines: der Papierstapel.