Neue EU-Regelung: Moselwinzer fürchten um „Piesporter Goldtröpfchen“
Der traditionsreiche Weinname „Piesporter Goldtröpfchen“ steht derzeit auf dem Prüfstand. Grund ist ein neues EU-Gesetz, das sich um Weinbezeichnungsrecht kümmert. Jetzt kämpfen die Moselwinzer um den guten Namen eines Premium-Weinbergs.
Steile Hänge, Schieferböden und ein Name, der weltweit für Mosel-Riesling steht: das Piesporter Goldtröpfchen. Doch die Zukunft dieser renommierten Weinmarke ist ungewiss. Denn ein Teil der Weinlage liegt offiziell auf der Gemarkung des Nachbarortes Neumagen-Dhron. Das betrifft die Weinberge von rund einem Dutzend Winzern. Darunter die von Johannes Haart.
Johannes Haart, Winzer
„Dort vorne, 10 Meter von uns würde die Grenze laufen, sodass wir jetzt schon auf der Neumagen-Dhroner Gemarkung stehen. Ab hier wäre sozusagen alles in diese Richtung Dhroner Goldtröpfchen. Für mich persönlich wäre es jetzt ein Viertel meiner Produktion, die wegfallen würde, weil ich nicht wirklich eine Alternative sehen würde das anders zu kompensieren.“
Für das Weingut Haart bedeutet das konkret: 6.000 Flaschen weniger unter dem Namen Piesporter Goldtröpfchen. Seit 1337 besitzt die älteste Winzerfamilie Piesports ihre Weinberge hier.
Johannes Haart, Winzer
„Es würde ein neuer Name entstehen, das Dhroner Goldtröpfchen. Und das, würde ich sagen, würde zu sehr großer Verwirrung führen. Konsumenten wären verwirrt: ist das ein neuer Weinberg? Hat das noch was zu tun mit dem eigentlichen Goldtröpfchen? Und das ist etwas, was wir uns nicht leisten können als Piesporter Winzer.“
Um den traditionsreichen Namen zu erhalten, liegt nun ein ungewöhnlicher Vorschlag auf dem Tisch: ein Flächentausch. Die Gemeinde Neumagen-Dhron soll die betroffenen Weinberge im Moselbogen an Piesport abtreten. Im Gegenzug würde sie einige Hektar am „Dhroner Hofberger“ erhalten – einer Lage, die teilweise auf Piesporter Gemarkung liegt.
Dieter Heintz (FBL), Ortsbürgermeister von Neumagen-Dhron
„Mein Amtskollege Eward Meuren und ich waren dann schon erstmal überrascht. Wir haben uns dann mit unserer Winzerschaft im Ort zusammengesetzt, haben erörtert, wie sie die Lage sehen, die aber alle zu dem Ergebnis kamen, dass es problematisch ist, wenn kein Flächentausch zustattenkommt. Der natürlich aus meiner Sicht fair vonstattengehen muss, weil wir geben deutlich mehr Fläche ab, als wir hinzugewinnen, und da muss es irgendwo eine Kompensation geben.“
Gebietstausche hat es an der Mosel bereits gegeben, allerdings in deutlich kleinerem Umfang. Für die Winzer in Piesport steht viel auf dem Spiel. Müssen ihre identischen Weine künftig unterschiedliche Etiketten tragen?
Johannes Haart, Winzer
„Wir haben ein bisschen Zeitdruck. Wir müssen es für den dieses Jahr wachsenden Jahrgang 2026 umgesetzt haben, sonst dürfen wir ihn nicht mehr Piesporter Goldtröpfchen nennen. Aber ich glaube die Chancen stehen gut, dass wir das dieses Jahr alles in trockene Tücher bringen können.“


