Bundesweit erste Pflegestation für Häftlinge in Wittlich

Menschen, die pflegebedürftig sind, brauchen nicht selten einen Rollator oder einen Rollstuhl. Betrifft das aber Gefägnisinsassen, können sie ihre Haftstrafe meist nicht mehr absitzen, denn ein gewöhnlicher Haftraum ist nicht behindertengerecht. Bislang muss dann die Haftunterbringung unterbrochen werden, verurteilte Straftäter kommen so auf freien Fuß. Um solche Fälle zu vermeiden, gibt es in der Justizvollzugsanstalt Wittlich nun eine eigene Pflegeabteilung für Häftlinge – die bislang einzige in ganz Deutschland.

Mit dem Rollstuhl vom Bad rüber ans Bett. In einer normalen Zelle ist das nicht möglich. Die ist nur 10 Quadratmeter groß, die Toilette ist nicht behindertengerecht, es gibt nur ein Waschbecken. Geduscht wird in der Gemeinschaftsdusche. Das Gefängnis ist rechtlich dazu verpflichtet, Häftlinge menschenwürdig unterzubringen. Bei Pflegebedürftigen ist das in einer normalen Zelle nicht gegeben. Bevor es die neuen, größeren Hafträume gab, mussten immer wieder Gefangene frühzeitig entlassen werden.
Jörn Patzak, Leiter JVA Wittlich
„Wir nehmen damit die Möglichkeit, die Gefängnisfreikarte zu ziehen oder ‚ich komm gar nicht ins Gefängnis rein‘-Karte, weil auch Gefangene oftmals sich zurückziehen, dann ärztliche Gutachten vorlegen, dass sie gar nicht ordentlich untergebracht werden können und da sind die Staatsanwaltschaften froh, dass es dann einen Platz gibt, diesen Menschen die Haftvollstreckung und die Vollstreckung der Freiheitsstrafe zu ermöglichen.“
Die Pflegeabteilung in der JVA Wittlich ist seit Anfang des Jahres in Betrieb. Eine behindertengerechte Toilette, eine Dusche, und ein Notrufknopf am Bett. Die Räume gab es bereits zufällig, ungenutzt. Schwieriger war es hingegen, Pflegepersonal zu finden.
H. Schneider, Stationsleitung
„Man sollte nie vergessen, wo man arbeitet. Aber natürlich wissen wir, was die Delikte sind. Das ist aber irgendwo auch ein Vorteil, wir wissen es. Und draußen weiß man nie, wer vor einem steht.// Aggressivität hat man hier natürlich schon ein bisschen öfter als im Allgemeinen draußen, aber da haben wir ja auch immer einen Beamten vom Vollzugsdienst bei uns.“
Die Stelle hier habe jedoch einige Vorteile: weniger Patienten und weniger Stress. Zur Pflegeabteilung gehört auch die Physiotherapie. Denn das Gefängnis trägt die Verantwortung, dass die Straftäter in Haft nicht körperlich abbauen. Trotz allem: es bleibt ein Gefängnis. Die Pflegebedürftigen haben sonst keine Vorteile gegenüber anderen Häftlingen. Die Pflegeabteilung in der JVA Wittlich ist die erste und einzige in Deutschland. Aktuell gibt es 9 Plätze, alle sind belegt.
Jörn Patzak, Leiter JVA Wittlich
„Der demographische Wandel, der hört ja auch im Gefängnis nicht auf. Wir werden immer mehr ältere Menschen haben, stand heute. Ich hab eben nachgeguckt, der älteste Gefangene ist 84, wir haben zwei, die über 80 sind, wir haben sechs, die über 70 sind und noch 22, die über 60 sind. Also 30 über 60 Jahre alt und dann kommen automatisch natürlich dann auch gewisse körperliche Beeinträchtigungen dazu, denen wir uns dann auch stellen müssen im Gefängnis, wenn man einen ordentlichen Vollzug machen will.“
Der Bedarf ist also riesig – und die  JVA Wittlich  geht jetzt einen ersten wichtigen Schritt.