4 Jahre Ukraine-Krieg – Im Gespräch mit Günter Jertz, Honorarkonsul der Ukraine in Rheinland-Pfalz

Eva Dieterle spricht mit ihm über die augenblickliche Situation vor Ort und die Unterstützung aus Rheinland-Pfalz.

Eva Dieterle, Moderatorin:
Vier Jahre russischer Angriffskrieg in der Ukraine. Darüber sprechen wir jetzt mit dem Honorarkonsul der Ukraine in Rheinland-Pfalz. Guten Tag, Günter Jertz.
Günter Jertz, Honorarkonsul der Ukraine in Rheinland-Pfalz:
Guten Abend.
Dieterle
Sie stehen im ständigen Kontakt mit Menschen in der Ukraine. Wie schildern die ihre Situation vor Ort?
Jertz:
Die Situation ist natürlich momentan extrem zugespitzt aufgrund der Witterungslage des Winters. Wir haben alle die Bilder gesehen. Der Kältezelte sehen die Notwendigkeit, auch mit Notstromaggregaten den Menschen zu helfen, damit sie etwas Wärme. Ein paar Stunden am Tag und in der Nacht haben. Also sehr, sehr zugespitzt Ruhe, Leidensfähigkeit der Bevölkerung. Und wir sind alle natürlich entsetzt, dass in dieser Zeit auch immer noch tausende Drohnen fliegen. Also der Krieg an sich ja nicht in irgendeiner Form abgenommen hat.
Dieterle:
Unterstützung für die Ukraine kommt auch aus Rheinland-Pfalz. Wie sieht diese Hilfe konkret aus?
Jertz:
Ich habe gerade mit dem Ukraine-Verein gesprochen. Es ist natürlich so, dass diese Aggregate geliefert werden, damit Wärme gesichert werden kann. Ganz großes Thema für die Bevölkerung momentan. Wir müssen aber auch daran denken, dass wir den Krankenhäusern helfen müssen. Wir müssen auch den Kindergärten helfen, die auch skandalöser Weise angegriffen wurden.
Dieterle:
Sie waren lange Jahre Geschäftsführer der IHK für Rheinhessen, die bundesweit für Unternehmen Hauptansprechpartner bei Fragen zum Handel mit der Ukraine ist. Sprechen Sie jetzt schon mit rheinland-pfälzischen Unternehmen, wie sie bei einem Wiederaufbau in der Ukraine unterstützen können?
Jertz:
Es gab in dieser IG bereits eine Konferenz dazu. Es gibt sehr großes Interesse der rheinland-pfälzischen Firmen, der Ukraine zu helfen, zu helfen, in Sachen Infrastruktur zu helfen, in Sachen IT zu helfen, in Sachen Wohnungsaufbau. Das sind alles Projekte, die sich natürlich dann mehr konkretisieren können, wenn wir eine Friedenssituation haben.
Dieterle:
Eine große Herausforderung ist, die Ukrainer, die von dem Krieg nach Deutschland geflohen sind, in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Noch immer sind rund 220.000 ohne Job. Warum ist das so schwierig, die Ukrainer in Arbeit zu bringen?
Jertz:
Wir müssen natürlich sehen, dass wir erst mal eine sprachliche Annäherung finden. Viele Ukrainer können sehr, sehr gut auch Englisch. Aber es ist natürlich wichtig, im Arbeitsprozess Deutsch zu können. Das heißt, die Deutschkurse sind eigentlich die wichtigste Einstellen Hürde sozusagen, die genommen werden muss.
Dieterle:
Das heißt: Was muss da jetzt passieren, damit das in Zukunft schneller geht?
Jertz:
Auch noch einmal zu überdenken, was wir momentan aus Berlin gehört haben, die Integrationskurse nicht mehr zu finanzieren, Das ist politisch etwas, was wir sehr, sehr noch mal im Blick auf Ukraine hinterfragen müssen. Also da würde ich schon sagen, müssen wir die Notsituation sehen und eine besondere Situation auch sehen. Und insofern, da helfen auch von Berlin aus.
Dieterle:
Klare Forderungen von Günter Jertz. Danke an den Honorarkonsul der Ukraine in Rheinland-Pfalz.
Jertz:
Vielen Dank für das Gespräch. Danke.