Nach Parteitag: Neue CDU-Bundesvorsitzende Ines Claus zu Gast im Studio

Eva Dieterle spricht mit ihr über ihre Wahl und die Signale, die vom Bundesparteitag ausgehen sollen.

Eva Dieterle, Moderatorin
Und jetzt begrüße ich Sie hier bei mir im Studio. Ines Claus, guten Abend. Frau Claus, Sie sind zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt worden – allerdings, das muss man sagen, mit einem relativ schwachen Ergebnis. Wie erklären Sie sich das?
Ines Claus (CDU), stellv. Bundesvorsitzende:
Ich freue mich erst mal riesig, dass Friedrich Merz ein so großartiges Ergebnis bekommen hat, das ist ein Zeichen von Geschlossenheit für die Partei und jetzt auch wichtig in diesen Zeiten. Und ansonsten – das sei mir gestattet – ich freue mich riesig, jetzt stellvertretende Bundesvorsitzende sein zu dürfen. Ich habe mir das, als ich damals eingetreten bin in die CDU, nicht vorstellen können, dass mich mein Landesverband mal nominiert. Das sein zu dürfen und dann gewählt worden zu sein, ist was ganz Besonderes. Ich freue mich damit jetzt in eine Riege von Ministerpräsidenten und Bundesministern zu sein. Insoweit: Ich freue mich, dass ich gewählt bin. Und ich freue mich, jetzt in dem Team mitzuarbeiten. Das heißt, ich nehme das Ergebnis und die Arbeit mit Dankbarkeit und Demut an.
Dieterle:
Also bei Ihnen überwiegt die Freude. Ich möchte trotzdem noch mal ganz kurz auf das Ergebnis zu sprechen kommen, denn es gibt andere Spekulationen, dass sich einige Delegierte daran gestört haben könnten, dass zuvor eine Frauenquote für die Stellvertreterposten festgelegt worden ist. Und deutlich ist ja auch, dass alle drei Frauen ein deutlich schlechteres Ergebnis erzielt haben als die Männer. Wir haben Sie gerade im Beitrag gehört. Sie haben die Frauen und die Stärke der Frauen angesprochen. Was ist das für ein Signal auch an Sie, Frau Claus? Hat die CDU immer noch ein Problem mit Frauen?
Claus:
Die CDU hat kein Problem mit Frauen. Wir sind die Partei, die die erste Bundeskanzlerin gestellt haben, die die europäische Kommissionspräsidentin stellt. Aber klar ist auch: Wir können immer mehr Frauen in der CDU wie auch in anderen Parteien gebrauchen. Denn es ist einfach besser, wenn wir mit am Tisch sitzen, um Politik zu machen. Und deswegen ist mein Ansatz, Frauenförderung zu betreiben, damit eben noch mehr Menschen auch die Hürde überwinden, in die Politik zu gehen, auch ihr Gesicht für Politik ja darstellen zu lassen. Und insoweit überwiegt bei mir einfach die Freude und ich werde die Themen einfach weiter anpacken.
Dieterle:
Ein deutlich besseres Ergebnis haben Sie gerade schon gesagt, hat der CDU-Bundesvorsitzende Friedrich Merz erzielt. Er hat von einem klaren Signal zum Aufbruch gesprochen. Gab es das nicht schon bei der Bundestagswahl? Man fragt sich so ein bisschen, auf was wartet die CDU dann, um die versprochenen Reformen auch mal umzusetzen?
Claus:
Na, wenn man sich das anschaut, was die Bundesregierung in den ersten zehn Monaten geschaffen hat, dann ist das schon sehr viel. Das heißt, es gab ja unheimliche Schritte im Bereich der Bürokratieabsenkung, im Bereich der Agrardiesel-Rücksubventionierung, im Bereich der Themen, die wir versprochen haben, auch bei der Migrationswende oder bei der Steuer. Alles Dinge, die wir versprochen haben. Die werden eingeführt und die müssen jetzt nur wirken. Das heißt, der Pfad ist gelegt, aber bis es die Spürbarkeit vor Ort gibt, dauert es vielleicht noch ein bisschen. Deswegen müssen wir als hauptamtliche Politiker das auch stärker erklären, dass es auch manchmal braucht, bis die Beschlüsse dann wirken, die schon in der Umsetzung sind.
Dieterle:
Aber die Spürbarkeit vor Ort, die ist gerade nicht gegeben. Eine aktuelle INSA-Umfrage sieht die Mehrheitsregierung noch unbeliebter als die Ampel. Rund 2/3 der Deutschen sind mit der Arbeit des Bundeskanzlers und der Bundesregierung unzufrieden. Offensichtlich dringen Sie ja zu den Menschen noch nicht durch mit ihrer Arbeit. Wie soll das gelingen?
Claus:
Es ist erst mal wichtig, dass wir jetzt weiterarbeiten, denn es wurde schon einiges geliefert. Aber wir müssen weitermachen, dass die Menschen auch spüren, dort ist wirklich eine andere Regierung am Start. Und das sind die Wege, die jetzt im Reformjahr 2026 genommen werden müssen. Da haben wir viel drüber gesprochen auf dem Parteitag. Ich weiß aber auch, dass die Bundesregierung dort ganz engagiert unterwegs ist. Wir müssen aber auch den Zusammenhang sehen. Wir leben in unheimlich herausfordernden Zeiten, geopolitisch eben sehr unter Druck, innenpolitisch sehr polarisiert. Und dass dann schon auch Beschlüsse zum Wehrdienst im letzten Jahr getroffen wurden und auch Beschlüsse zur Rente in diesen Zeiten ist schon ein sehr großer Erfolg auch dieser Bundesregierung und insoweit werden es die Menschen sicherlich auch bald für ihr eigenes Leben spüren. Und insoweit bin ich da zuversichtlich.
Dieterle:
Das wäre auch gerade in Hessen natürlich wichtig, denn Kommunalwahlen stehen an und diese Unzufriedenheit in den Umfragen ist nicht gerade Rückenwind.
Claus:
Also ich bemerke auf den Veranstaltungen, auf denen ich bin, oder auch an den Infoständen oder auch beim Flyeraustragen, dass die Menschen merken, wie engagiert auch regiert wird und auch Verständnis dafür haben, wenn man es erklärt. Insoweit bin ich grundsätzlich zuversichtlich, dass es bei den Menschen auch ankommt. Und in Hessen nehmen wir auch wahr, dass wir ungefähr 33  % Zustimmung haben zu unserer Arbeit. Und das treibt natürlich auch an, sicherlich nicht faul zu werden, sondern fleißig da dranzubleiben und die Themen der Menschen zu lösen, die sie umtreiben.
Dieterle:
… sagt die neue stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU, Ines Claus. Vielen Dank, dass Sie heute zum Interview hier waren.
Claus:
Vielen herzlichen Dank, Frau Dieterle.