„Die Nazis waren ja nicht einfach weg“ – Ausstellung im Frankfurter Kommunikationsmuseum

Im Zentrum steht die Frage: Wie sind die Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit umgegangen? Kein einfaches Thema.

„Da sie das zuständige Alter erreicht haben, haben sie sich im hiesigen Krematorium, Gang 9, Ofen 36, Klappe 5, zwecks Verbrennung ihres Körpers umgehend einzufinden.“
So beginnt ein Hassbrief, den Rolf Weinstock Ende der 1940er Jahre erhält. Er kämpft für das Erinnern. Ein Überlebender, dessen Familie in Auschwitz ermordet wird.
„Schluss mit Entnazifizierung, Entrechtung, Entmündigung.“ 1949  ein Plakat zur Bundestagswahl von der FDP.
Georg Heuser ist als SS-Hauptsturmführer für die Ermordung von mehr als zehntausend Juden verantwortlich. In den 1950er Jahren wird er Leiter des Landeskriminalamtes Rheinland-Pfalz. Die Deutschen tun sich nach 1945 schwer, mit ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit.
Dr. Mathias Rösch, Kurator der Ausstellung
„Das wird ja durch die Veröffentlichung der Amerikaner, durch Filme über die KZs und alles Mögliche andere, wird es noch mal deutlicher, wie massiv diese Verbrechen sind, und angesichts dessen, schafft es die Mehrheit der Deutschen keinesfalls, offen dazu zu stehen. Das Verdrängen, das Verschweigen der persönlichen Verantwortung ist etwas absolut normales, in dem Zusammenhang. Und es ist eher ein großes Wunder, dass es trotzdem in dieser Zeit immer wieder Leute gibt, die umdenken, die in die andere Richtung gehen.“
Wie zum Beispiel Fritz Bauer. Als hessischer Generalstaatsanwalt setzt er sich für die Inhaftierung von NS-Verbrechern ein und eröffnet 1963 in Frankfurt den ersten Auschwitz-Prozess. In „Die Nazis waren ja nicht einfach weg“ geht es um das  Aufarbeiten und Auseinandersetzen mit einer unfassbaren Vergangenheit. Eine Ausstellung über 8 Jahrzehnte Erinnerungskultur.
Dr. Annabelle Hornung, Direktorin Museum für Kommunikation Frankfurt
„Die Perspektive ist auf junge Menschen ausgerichtet, deren Erinnerung in den unterschiedlichen Epochen. Das zeigen die acht Stationen der Ausstellung. Wir empfehlen aber trotzdem, für jeden, jeglichen Alters den Besuch.“
Bis zum 26. Juli erwartet die Besucher des Frankfurter Museums für Kommunikationen ein differenzierter Blick auf die Vergangenheit. Denn auch Täter können Opfer sein. Wie dieses Paar. Er Nazi, sie hat jüdische Wurzeln. Trotzdem heiraten beide mit gefälschten Papieren und bleiben ein Leben lang zusammen. Sagen niemandem die Wahrheit, auch nicht ihren Kindern.