Hebammen trainieren Geburt im Simulationskreißsaal
Bei der Geburt des eigenen Kindes möchte man in den besten Händen sein. Wenn dann mal etwas nicht ganz nach Plan verläuft, sollten die Hebammen bestens vorbereitet sein. Damit es keine schwere Geburt gibt, werden in Gießen Hebammen in einem Simulationskreissaal ausgebildet – an der Gebärpuppe Lucy.
Bei Gebärpuppe Lucy Schulz ist die Geburt in vollem Gange. Doch nicht alles läuft nach Plan: Ihr Baby kommt mit dem Po voran auf die Welt, eine sogenannte Beckenendlage.
„Den Popo kann man schon sehen … Ich helfe einmal grad dem Kindchen, dass die Beine geboren werden.“
Diese Art von Geburt wird auf natürliche Weise nur in sehr wenigen Kliniken durchgeführt. Hebammenstudentin Caroline Kenntemich hat so einen Fall noch nie in echt erlebt. Umso wichtiger, dass sie die Beckenendlage am Simulator üben kann.
Und dann haben alle drei es geschafft: Das Kind ist unbeschadet auf der Welt.
Caroline Kenntemich, Hebammenstudentin
„Es war vom Gefühl her tatsächlich relativ realitätsnah, weil die Puppe mit einem spricht und man hat schon auch Verantwortungsgefühl, sowohl für die Puppe, also die Mutter, als auch für das Kind. Selbst wenn rational betrachtet ja erst mal nicht viel passieren kann, aber einfach weils sich schon so anfühlt, als wäre man jetzt grade in einer richtigen Geburt.“
Dozentin Rebecca Hepp steuert die Simulation. Über ein Headset lässt sie die Puppe mit den Hebammen sprechen. Die Geburt wird von Kameras aufgezeichnet und hinterher gemeinsam besprochen.
„Aber sonst finde ich, haben Sie die Situation schön gemeistert, Sie haben gut Kontakt aufgenommen zu der Frau Schulz und hat alles gut geklappt.“
Beckenendlage, Blutungen oder Atemstillstand. All das können die Studierenden im Simulationsraum mit der Puppe üben. Lucy schiebt ihr Baby nicht nur selbstständig durch den Geburtskanal, sondern die Hebammen können sogar die Herztöne des Babys messen. Bett, Geburtspool, Geburtshocker: Der Kreißsaal ist für jeden Fall gerüstet.
Rebecca Hepp, Dozentin Hebammenwissenschaft Gießen
„Wenn sich zum Beispiel das Köpfchen des Kindes nicht perfekt positioniert hat und man dann viel Bewegungen mit den Gebärenden machen muss. Neue Positionen probieren muss. Das machen wir auch hier, aber nicht mit dem Geburtssimulator, sondern mit Schauspielpersonen. Da haben wir dann Schauspielerinnen, die Gebärende spielen. Weils da ja viel mehr weniger ums Technische, um die Handgriffe geht, sondern um Kommunikation, um das Betreuen.“
So erfolgt im Simulationskreißsaal eine ganze Geburt von Anfang bis Ende inklusive technischer Handgriffe und emotionaler Begleitung.
Moja Bubat, Hebammenstudentin
„Wenn man das erste Mal in so einer Situation ist, kann das einfach Ängste auslösen und man ist in so einer kleinen Schockreaktion, was mach ich als Nächstes. Und dafür finde ich diese Simulation richtig gut, weil ich finde, das Gefühl kommt auf. Dieses Adrenalin und dieses: Oh Gott, was muss ich jetzt machen? Aber es kommt kein Mensch dabei zu Schaden.“


