Krankenhaus in Boppard soll geschlossen werden
Jedes dritte Krankenhaus in Deutschland – so eine aktuelle Studie – steht vor dem Aus. Und die Klinikkrise in Rheinland-Pfalz geht momentan in Boppard weiter. Gestern Abend beschließt die Gesellschafterversammlung, den Standort Boppard dichtzumachen. Doch noch ist das Ende nicht in Stein gemeißelt. Die 270 Mitarbeiter hoffen jetzt auf die Politik.
Thomas Oesterberg verbindet viel mit seinem Arbeitsplatz: Er ist hier im Heilig Geist Krankenhaus geboren. Seit über 15 Jahren arbeitet er hier in der Radiologie. Jetzt bangt er um seinen Job. Die drohende Schließung des Standorts hier in Boppard, für ihn nicht nachvollziehbar.
Thomas Oesterberg, Medizinisch-Technischer Assistent Radiologie
„Boppard ist nicht irgendein kleines Krankenhaus. Man hat so viele Krankenhäuser in der Umgebung geschlossen. Wir sind sozusagen der letzte Hacken, an dem das Gesundheitssystem hier in der Region hängt. Und wenn das auch geschlossen würde, dann würde hier einiges zusammenbrechen und damit übertreibe ich nicht.“
Viele Mitarbeiter des Krankenhauses bangen nicht nur um ihre eigenen Jobs, sondern auch um die Gesundheitsversorgung von Patienten.
Annett Klein, Leiterin Intensivstation Heilig Geist Krankenhaus
„Wenn der Weg zu weit ist oder der Patient nicht mehr rechtzeitig eben da ankommt, wo er hin soll, kann es passieren, dass er mitunter auf dem Weg ins Krankenhaus verstirbt. Und auch für mich ist es äußerst wichtig oder hier für unsere Anwohner, dass wir auch medizinisch versorgt sind. Wir sind keine Menschen zweiter Klasse.“
Das Krankenhaus in Boppard schreibt Verluste. Wer dafür aufkommt, darüber streiten Städte und Landkreise seit Monaten. Einig wurde man sich noch nicht. Offen bleibt eine Summe in Höhe von rund zwei Millionen Euro für die kommenden zwei Jahre. Die Betriebsratsvorsitzende beschreibt das ungewisse Warten der Mitarbeiter, als Wahnsinn.
Bärbel Friedrich, Betriebsratsvorsitzende Heilig Geist Krankenhaus
„Was die hier jetzt durchgemacht haben ist ein Psycho-Thriller, ein richtiger Krimi. Das geht einmal hoch, einmal runter. Mal heißt es, die Gelder sind da, wir können bleiben. Dann heißt es wieder, ach da fehlt noch das. Also es ist schon sehr, sehr anstrengend und es geht schon an die Substanz. Die Belegschaft will Klarheit. Jeder will jetzt wissen, keiner hält das lange mehr aus.“
Klarheit gibt es auf der Gesellschafterversammlung nicht: Sie stimmt gestern Abend für die Schließung des Krankenhauses, aber noch unter Vorbehalt: Denn die Stadt Boppard möchte für die Verluste in Höhe von bis zu zwei Millionen Euro aufkommen. Sollte die Stadt bestimmte zentrale Voraussetzungen erfüllen, könnte der Beschluss zurückgenommen werden. Für den Vorsitzenden der Gesellschafterversammlung und Koblenzer Oberbürgermeister ist das die letzte Hoffnung.
David Langner (SPD), Oberbürgermeister Koblenz
„Gut, ich meine was wäre die Alternative gewesen? Man hätte die Schließung beschlossen. Jetzt gibt’s das Angebot der zwei Millionen. Insofern ist das natürlich für den Standort Boppard und vor Ort für die Beschäftigten ein Hoffnungszeichen. Ob es zum Erfolg wird, das kann ich Ihnen heute noch nicht sagen aber ich kann Ihnen sagen, dass wir jetzt sehr intensiv dran arbeiten, weil eben auch die Gegenseite endlich mal interessiert ist an einer Lösung.“


