Diskussion um social media-Verbot für Jugendliche

Australien hat es vorgemacht. Kein Social Media für Kinder und Jugendliche. Und immer mehr europäische Ländern wollen es jetzt nachmachen, darunter auch Frankreich und Spanien. Und auch in Deutschland hat die Debatte an Fahrt aufgenommen. Was spricht dafür, was dagegen?

Wir sind zu Besuch im Reichswald-Gymnasium in Ramstein-Miesenbach. Die Schüler hier in der 8. Klasse sind zwischen 13 und 14 Jahre alt. Social Media ist für sie Alltag.
„Ich bin so drei bis vier Stunden, also drei Stunden auf Social Media.“
„Eigentlich maximal drei Stunden.“
„Ungefähr zwei bis drei Stunden.“
„Vielleicht zweieinhalb Stunden bis drei.“
Viele Stunden am Tag. Stunden, in denen Jugendliche auch mit für sie negativen Inhalten konfrontiert werden können. Auch mit sexistischen, rassistischen oder brutalen Inhalten. Und oft auch mit Fake-News.
Das dürfe so nicht weitergehen, sagt Gordon Schnieder, der CDU-Landesvorsitzende in Rheinland-Pfalz. Es brauche mehr Medienbildung. Und er geht noch einen Schritt weiter.
Gordon Schnieder (CDU), Landesvorsitzender Rheinland-Pfalz
„Diese Medienbildung habe ich eben nicht abgeschlossen bei einem 10-Jährigen oder bei einer 12-Jährigen. Und deswegen müssen wir darüber nachdenken, wie stark ist mentale Gesundheit hier gefährdet, wie stark belasten wir unsere Kinder, die sich da eben frei durchzappen können. Von daher befürworte ich daher ein Social-Media-Verbot.“
Eine klare Altersbegrenzung für soziale Netzwerke, die fordert auch der hessische Kultusminister Armin Schwarz. Der CDU-Politiker nennt aber kein bestimmtes Alter. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer wird da konkreter.
Alexander Schweitzer (SPD), Ministerpräsident Rheinland-Pfalz
„Verbot für Kinder selbstverständlich. Aber für Jugendliche und Heranwachsende ist es eine Illusion, geht an der Realität vorbei, wird nicht funktionieren. Und glaubt nur Probleme zu lösen, die wir besser lösen durch Medienkompetenz und durch souveräne Entscheidungen von jungen und heranwachsenden Menschen, die ihr Leben lang mit digitalen Möglichkeiten umgeben sein werden. Und die müssen wir dabei unterstützen.“
Australien geht einen anderen Weg. Im Dezember ist dort das weltweit erste Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren an den Start gegangen. Die Plattformen müssen das Alter ihrer Nutzer überprüfen. Bei Missachtung drohen hohe Geldstrafen. Nach Angaben der australischen Regierung haben die Betreiber der Plattformen mittlerweile rund 4,7 Millionen Accounts von Kindern und Jugendlichen gelöscht.
Wir fragen nach beim rheinland-pfälzischen Justizminister. Verbot, ja oder nein? Nein, sagt Philipp Fernis. Aber er sieht durchaus Regelungsbedarf.
Philipp Fernis (FDP), Justizminister Rheinland-Pfalz
„Warum denn kein Zustimmungsvorbehalt, dass die Eltern sich identifizieren müssen? Ich bin gegen eine Klarnamen-Pflicht im Netz, aber ich kann mir gut vorstellen, dass man sich identifizieren muss und dass wenn man minderjährig ist, auch die Eltern zustimmen müssen und gegebenenfalls auch auf Ebene der Plattformen auch Nutzung auch regeln können. Dann ist die Verantwortung dort, wo sie auch hingehört.“
Zurück am Gymnasium in Ramstein-Miesenbach. Die Achtklässler wären von einem Socia Media Verbot betroffen. Was halten sie davon, wäre das überhaupt realistisch?
Nicola Gospodinov, 14
„Ich bin ganz dagegen, weil das würde einfach den kompletten Alltag verändern.“
Ella Mayer, 13
„So ganz glaube ich nicht. So eine Woche oder so würde mal gehen, aber länger nicht.“
Judith Fey, 14
„Klar bringt es viele Nachteile, aber es bringt auch viele Vorteile.“
Mila Kümmel, 14
„Jedes Elternteil muss das für sein Kind vielleicht selbst entscheiden, ob es schon damit umgehen kann oder nicht.“
Antonia Wolf, 14
„… und vielleicht aber auch, dass man manche Inhalte ja halt einfach runter macht und quasi mehr Personal einsetzte, dass das einfach da auch gar nicht drauf kommt oder dann auch runtergenommen wird.“
Viele Ideen. Ideen, die momentan nicht nur hier am Gymnasium, sondern in ganz Deutschland diskutiert werden.