Fußball im Gefängnis – In der JVA Rockenberg spielen Häftlinge gegen Polizisten

Das „Helmut-Fünfsinn-Gedächtnis-Turnier“ ist ein wirklich außergewöhnliches Fußball-Turnier, bei dem sich jugendliche Häftlinge sportlich messen – gegen Mannschaften der Polizei, des Justizvollzugs, der Generalstaatsanwaltschaft – und dem Fußball-Verein aus dem eigenen Dorf. Ein Hinweis: Auf Wunsch der Anstaltsleitung – um die jugendlichen Gefangenen zu schützen – wurden die Häftlinge nicht interviewt.

Beamte des Polizeipräsidiums Mittelhessen gegen Häftlinge der JVA Wiesbaden. Fünf gegen fünf. 10 Minuten Spielzeit. Ein Duell, bei dem sich alle auf Augenhöhe begegnen, alle Unterschiede in den Hintergrund rücken.
Ertugrul Gündüz, Polizeioberkommissar
„Wieder mal ein Beispiel, wie Fußball oder halt einfach Sport im Allgemeinen total verbindet. Wir kommen alle miteinander klar, alle klatschen sich ab. Vor dem Spiel, nach dem Spiel. Wünschen viel Erfolg und das macht einfach Spaß.“
Die jugendlichen Gefangenen der JVA Rockenberg sind 14 bis 20 Jahre alt. Damit ihnen während ihr Zeit in Haft ein Sportangebot zur Verfügung steht, dafür sorgt er. Sportlehrer Tom Kreis, der heute selbst im Mitarbeiter-Team der JVA Rockenberg mitspielt.
Tom Kreis, Sportlehrer JVA Rockenberg
„Sport ist eine super Möglichkeit als Mittel, um Aggressionen abzubauen. Um dem Haftalltag entgegenzuwirken. Vor allem, um den Kopf frei zu bekommen, wie andere das draußen auch machen. Und das ist ganz entscheidend, dass man in der Stunde Sport am Tag, oder auch zwei, ein bisschen die Mauern um sich rum vergisst. Und ein bisschen positive Perspektive hat.“
Das Ziel: Durch den Sport die Persönlichkeit der Jugendlichen entwickeln. Und dabei Normen und Werte vermitteln, auf die es vor allem in der Zeit nach der Inhaftierung ankommt.
Ähnlich wie bei einem Stundenplan, strukturiert er das Sportangebot für die Häftlinge, die zu festen Zeiten ganz unterschiedlichen Sportarten nachgehen können. Aber auf nichts war die Vorfreude bei den Jugendliche so groß, wie auf dieses Turnier.
Tom Kreis, Sportlehrer JVA Rockenberg
„Die freuen sich alle übertrieben drauf, sind super stolz drauf. Ich bin super stolz unsere Truppe, mit der wir auch hier trainieren. Und neben der sportlichen Qualität zählt auch der soziale Aspekt. Heißt: Wer sich in der Vorbereitungsphase nicht benimmt, wird auch rigoros gestrichen aus dem Kader. Und das ist super spannend zu beobachten, dass in dieser Vorbereitungszeit die Jugendliche sozial super engagiert sind, sich super benehmen und sportlich Höchstleistungen bringen wollen, um hier dabei zu sein.“
Mit dabei sind auch Mitarbeiter aus dem Vollzugsdienst der JVA, die täglich mit den auschließlich männlichen Jugendlichen Kontakt haben.
Hafan Yildirim, Vollzugsdienst JVA Rockenberg
„Ich habe mir vorher auch Gedanken gemacht. Wie trittst Du an, wenn du dann gegen den auf dem Spielfeld stehst. Aber im Sport sind wir miteinander faire Gegner und ich glaube, da gibt es keine Differenzen zu treffen.“
Und so bleibt es bei dem heutigen Turnier stets fair. Ohne, dass dabei der Ehrgeiz auf der Strecke bleibt.
Theresa Paul, Hessisches Justizministerium
„Es ist eben ein Turnier, was nicht nur den Spaß in den Vordergrund stellt, sondern eben auch sportlichen Ehrgeiz und den Wettkampf. Und das finde ich immer auch wichtig, dass man auch schon irgendwie Gas gibt.“
Es ist das mittlerweile vierte „Helmut Fünfsinn Gedächtnis Turnier“ – ein Veranstaltung in Erinnerung an den hessischen Generalstaatsanwalt Helmut Fünfsinn, der sich bis zu seinem Tod 2022 mit großer Leidenschaft für den Sport als Präventionsprogramm engagierte. Anlass genug, dass sich auch der hessische Justizminister Christian Heinz dieses Turnier nicht entgehen lässt.
Christian Heinz (CDU), Justizminister Hessen
„Naja der oberste Auftrag der Justizvollzugsgesetze ist die Resozialisierung der Gefangenen. Der Weg zu einem straffreien Leben. Und für ihr war es eine Lebensaufgabe, dieses Ziel der Resozialisierung immer in den Mittelpunkt zu rücken. Und er hat sich über Jahrzehnte dafür eingesetzt. Und deshalb ist er auch Namensgeber dieses Turniers.“
Sie hatten keine lange Anreise. Das Turnier – für den TuS Rockenberg fast schon ein Heimspiel.
Luca Verwiebe, Kapitän TuS Rockenberg
„Es ist eine gute Atmosphäre hier. Es macht Spaß zu kicken gegen die. Und irgendwo ist ja auch schon Ehrgeiz da von allen Mannschaften. Das macht schon Spaß auch.“
Der Turniersieg geht am Ende an das Polizeipräsidium Mittelhessen. Aber Verlierer gibt es hier heute ohnehin keine.