Roboter für Krebsdiagnosen

Lungenkrebs ist die Krebserkrankung, die in Deutschland am häufigsten zum Tode führt. Rund 45.000 Menschen sterben jedes Jahr – meist, weil die Krankheit erst entdeckt wird, wenn es schon zu spät ist. Eine neue Technologie ermöglicht eine Diagnose in einem viel früheren Stadium – und erhöht damit die Chancen geheilt zu werden. Wir haben uns das in der Helios Klink in Wiesbaden mal angeschaut.

Hier passiert Außergewöhnliches: Aus dem äußersten Rand der Lunge wird eine Gewebeprobe entnommen. Der Arzt führt dazu einen Schlauch über den Mund des Patienten durch die Atemwege bis in die Lunge. Sich dabei in den vielen Verzweigungen zurechtzufinden, ist eigentlich schwierig – doch für Roboter „Ion“ kein Problem. Er berechnet den individuell sichersten Weg und stellt ihn wie bei einem Navigationsgerät als blaue Linie dar, der der Arzt jetzt nur noch folgen muss – eine Technologie, die es so bislang nicht gab.
Prof. Tim Hirche, Pneumologe Helios HSK Wiesbaden
„In die Lungenrandbereiche, wo sich die Frühstadien, die kleinen Tumore häufig bilden. Da ist man technisch bedingt nicht vorgekommen, weil die Katheter zu großvolumig waren. Aber eben auch weil man keine ausreichende Sicht hatte um dann in dem Labyrinth der Atemwege, die ja verzweigen wie so ein Baum mit Verästelungen, weil man da auch einfach keine Orientierung hatte.“
Um geeignete Gewebeproben von kleinen, ungünstig gelegenen Tumoren zu bekommen, musste man bislang von außen durch den Brustkorb stechen oder sogar operieren. Für die Patienten belastender und risikoreicher.
Für die Ärzte ist es mit der herkömmlichen Methode außerdem schwieriger, eine präzise Gewebeprobe zu gewinnen.
Prof. Tim Hirche, Pneumologe Helios HSK Wiesbaden
„Der Auftrag des Lungenarzt ist es in der Situation, wenn ein Tumorverdacht besteht, eine Gewebeprobe zu sichern. Und das ist jetzt eben mit dem Roboter jetzt sehr reproduzierbar, sehr elegant möglich auf einem minimalst invasiven Weg Proben in einer Qualität, die wir so gar nicht gekannt haben. Und das ist natürlich für das Fachgebiet der Lungenheilkunde eine ganz starke Aufwertung.“
Denn eine präzisere Gewebeprobe zu einem früheren Zeitpunkt, bedeutet für die Patienten bessere Chancen auf Heilung.
Noch kann Ion aber nicht jeden behandeln. Deshalb priorisieren Ärzte Patienten, bei denen mit den bisherigen Methoden keine Chance besteht, eine Probe zu nehmen und einen Krebsverdacht folglich zu bestätigen oder auszuschließen.
Prof. Tim Hirche, Direktor Klinik für Pneumologie
„Das kann an der Anatomie liegen, dass der Herd so ungünstig liegt, dass man konventionell gar nicht bis in diese peripherie oder in die Logen der  Lunge gelangen kann. Es kann aber auch Patientenseitig  Faktoren geben, dass der Patient Vorerkrankungen hat, gewisse Instabilität hat, ein hohes Alter hat, die ihn verletzlicher oder empfindlicher machen und der von daher von einem minimal invasiven, sehr schonenden Verfahren besonders profitiert.“
Die Helios Klink in Wiesbaden ist erst die dritte Klinik in Deutschland, die den Ion-Roboter benutzt. Künftig soll er in weiteren Klinken eingesetzt werden. Dieser Patient wird schon in wenigen Tagen erfahren, ob er Lungenkrebs hat oder nicht. Sollte er Krebs haben, hat er eine gute Chance auf Heilung – eine Chance, die es so zuvor nicht gab.