Lizenz zum Rentierführen

Wer mit den Tieren arbeiten will, muss einiges beachten. Im Tierpark Sababurg kann man jetzt den Rentierführerschein machen. Richtig gehört! Wir haben unsere Kollegin Nina Seeh nach Nordhessen geschickt – sie macht jetzt den Lappland-Lappen.

Nina Seeh, Reporterin
„Fürs Autofahren braucht man einen Führerschein. Für Rentiere offenbar auch. Ich bin heute im Tierpark Sababurg und mache den wohl flauschigsten Führerschein, den es gibt. Den Rentierführerschein. Ob ich ab Ende bestehe, oder ob das Rentier doch eher mit mir spazieren geht, werden wir am Ende sehen. Vorher hol ich mir jetzt aber noch ein paar Tipps ab, bei jemandem, der sich wirklich auskennt.“
Uwe Kunze ist Rentier-Führer und hat mit seiner Familie selbst lange Zeit in Lappland gelebt. Bevor es losgeht, direkt ein paar wichtige Regeln. Denn obwohl  domestiziert, sind Rentiere dennoch Wildtiere.
Uwe Kunze, Rentier-Führer
„Am Anfang fasst man sie nicht an. Nie ans Geweih fassen. Du nimmst die Leine und das Rentier folgt dir. Du bist der Rentierführer, das Rentier ist kein Menschenführer. Kann bis 60 Stundenkilometer schnell werden und das schaffst du nicht. Du hast zwei-Bein-Bremse. Rentier hat vier-Bein-Antrieb.“
Also, kurz mit Leitkuh Sölvi vertraut machen und die Leine fest in beide Hände nehmen.
Uwe Kunze: „Komm. Bua. Bua.“
Nina Seeh: „Was hast du gerade gesagt?
Uwe Kunze: „Bua. Das heißt so ‚Komm‘. Das ist samisch.“
„Bua“ und los geht’s.  Sölvi hat heute anscheinend einen guten Tag folgt mir brav. Abgesehen von der Brunftzeit, haben in Rentierherden die Weibchen das Sagen.
Uwe Kunze
„Das ist auch das Gescheiteste. Die sind am vernünftigsten, die Jungs sind Spinner. Deshalb haben sie auch lange Geweihe, weil sie auch ihre Position verteidigen müssen.“
Vor den Geweihen muss man sich allerdings in Acht nehmen. Denn so prachtvoll sie auch aussehen, so schnell können sie auch Verletzungen verursachen. Das könnte im wahrsten Sinne des Wortes schnell ins Auge gehen.
Zum Führerschein gehört aber nicht nur die hautnahe Arbeit mit den Tieren, sondern auch eine kleine Reise nach Lappland, zum Volk der Sámi, dem letzten Ursprungsvolk Europas. Seit mehr als 8000 Jahren lebt das samische Volk in Lappland schon von und vor allem auch mit den Tieren. Dafür legen auch sie als Nomaden viele hundert Kilometer im Jahr zurück.
Uwe Kunze
„Die samische Kultur, dieses ursprüngliche, ohne auf die Uhr zu sehen. Wenns jetzt weitergeht, wenn wir jetzt hier ruhen, die Rentiere bestimmen wann wir unser Zelt wieder abbauen. Wenn die große Herde von 7500 Rentieren weiterzieht, dann müssen wir hinterherziehen.“
Zum Abschluss gibt’s noch eine verdiente Belohnung.
Uwe: „So, ihr Zwei versteht euch gut.“
Nina: „Und, Uwe, hab ich meinen Führerschein eigentlich bestanden?“
Uwe: „Du hat es glänzend gemacht. Bestanden. Gratulation.“
Nina: „Mit Bestnote?“
Uwe: „Mit Bestnote. Mit Prädikat.“
Und mit diesem in der Tasche kann mein nächster Urlaub in Lappland kommen.