Proteste gegen iranisches Regime in Frankfurt
In mehreren deutschen Städten sind am Wochenende Tausende Menschen auf die Straße gegangen – für einen Führungswechsel im Iran haben sie demonstriert. Mindestens 5.000 Todesopfer soll es laut dortigem Regime bisher gegeben haben. Auch wenn die Protestwelle im Iran, wohl auch aufgrund der brutalen Gewalt durch Sicherheitskräfte, zunächst abgeebbt ist, bleiben die Forderungen nach Freiheit und einem Ende der Mullah-Diktatur bestehen. So auch bei den Solidaritätskundgebungen in Frankfurt.
„Be fekretunam – ich denke an euch!“ Diese Nachricht kam nie an. So geht es hier vielen, die sich Sorgen um ihre Freunde und Angehörigen im Iran machen und seit Wochen auf ein Lebenszeichen warten.
Mona Sanati, Verein „Frau Leben Freiheit“ Frankfurt/Mainz
„Ich habe gar keinen Kontakt seit Tagen, seit Wochen zu denen. Ich höre durch Freunde, die dann eine Minute mal die Chance haben mit ihrer Familie zu telefonieren, die sagen ich weiß wie schlimm ihr euch das hier in Deutschland vorstellt aber es ist zehntausendmal schlimmer, es ist so viel schlimmer, die ganzen Straßen sind voll mit Blut, Leichen über Leichen, wir kommen nicht mehr voran, jetzt werden wir auch noch komplett unterdrückt. Wir sind hier, um die Stimmen weiter zu tragen.“
Im Iran hatte es in den vergangenen Wochen, zunächst ausgelöst durch eine schwere Wirtschaftskrise, landesweite Proteste gegen das Regime gegeben. Dieses reagierte mit brutaler Härte. Ein Regierungsvertreter spricht von 5000 Toten, eine britische Zeitung, gestützt auf Klinikdaten sogar von mindestens 16.000.
Asal Farahani, Gruppe „Hamgerei“
„Wir wissen nicht, ob unsere Familien noch am Leben sind oder verhaftet worden oder noch was schlimmeres.“Fabiana F., Jurastudentin aus Mainz
„Meine Nichte wurde aus dem Auto gezerrt, während sie mit ihrem dreijährigen Kind einkaufen gehen wollte. Die dachten, sie möchten auf die Proteste und sie wurden aus dem Auto gezerrt. Das Baby wurde zum Glück im Auto gelassen, aber meine Nichte wurde komplett zusammen geschlagen und sie konnten danach nicht ins Krankenhaus gehen, weil im Krankenhaus wird genauso viel ermordet wie auf der Straße.“
Tareq Sydiq von der Universität Marburg kennt die iranische Politik gut. Gesellschaftlich brodele es, sagt er.
Tareq Sydiq, Protestforscher Zentrum für Konfliktforschung Universität Marburg
„Man konnte an der Wahlbeteiligung ablesen in den letzten Jahren, die sich auf historische Tiefs zubewegt haben und in dem immer weiter wachsenden Unmut und Unmutsbekundungen auch von Menschen, die eher regimenah sind. Und ich vermute, dass auch innerhalb des Machtapparats einige Leute sehr kritische Fragen stellen.“
Ein schneller Regimesturz sei aber nicht zu erwarten.
Tareq Sydiq, Protestforscher Zentrum für Konfliktforschung Universität Marburg
„Man konnte jetzt sehen, dass der Staat nicht nur willens war Gewalt anzuwenden, sondern auch in der Lage war. Und man kann eben auch sehr gut sehen, dass es eben keine großflächig berichteten Überläufer gibt, keine Befehlsverweigerung, die uns wirklich übermittelt wurden und dementsprechend denke ich, dass der Staat bislang sein Gewaltmonopol und auch seinen Anspruch innerhalb der eigenen Loyalisten weitestgehend aufrecht erhalten kann.“
Der Wunsch der Menschen auch in Hessen nach einem freien Iran ist trotzdem groß, viele hoffen dabei auf eine Person.
Asal Farahani, Gruppe „Hamgerei“ (deutsch: „Zusammenhalt“)
„Sie möchten ein demokratisches Iran mit Reza Pahlavi, das ist der Sohn von dem letzten Schar vom Iran, wir möchten, dass er die Führung übernimmt und endlich, dass dieses Terrorregime abstürzt.“
Die Demonstranten fordern unter anderem die Revolutionsgarde als Terrororganisation einzustufen. Rheinland-Pfalz hat aufgrund der Lage inzwischen einen Abschiebestopp in den Iran angeordnet, in Hessen längst Praxis.
Nasrin Jalali, Gruppe „Hamgerei“ (deutsch: „Zusammenhalt“)
„Wir bitten die Welt, ganz Europa, ihr müsst uns helfen! Wir sind Teil dieser Gesellschaft, wir leben in einer Demokratie und diese Demokratie wünsche ich mir auch für mein Land und für meine Landsleute. Bitte helft uns!“


