Letzter Kühlturm in Biblis wird abgerissen

2017 hat der Rückbau des ehemaligen Atomkraftwerks in Biblis begonnen – und das ist ein langer Prozess. 2023 ist der erste der vier Kühltürme gefallen – heute Mittag der letzte. Vorab gab es Protest: Eine Petition mehrerer Naturschutzverbände mit über 10.000 Unterschriften wollte den Abriss des Turms stoppen.

Mit einem lauten Krachen fällt der 80 Meter hohe Turm in sich zusammen. Siebeneinhalb Tonnen Beton. Statt einer Sprengung wurde dem Turm von innen heraus nach und nach die Stabilität genommen.
Ralf Stüwe, Rückbau-Leiter
„Letzten Endes endete es darin, dass unten einige Stützen weggenommen werden, in diesem Fall waren es knapp 5 und bei der 5. ist der Kühlturm dann in sich kollabiert. Der ganze Bereich ist abgesperrt, das ist weiträumig isoliert, da ist niemand vor Ort, da ist ein ferngesteuertes Gerät, ein ferngesteuerter Bagger, der diese Stützen demontiert.“
Dass der Turm nun Geschichte ist, gefällt nicht allen. Tierschützer bemängeln, dass sich unter den Kühltürmen Mehlschwalben angesiedelt hätten, die nun ihr Habitat verlieren. Aktuell sind die Zugvögel zum Überwintern in Afrika. Wenn sie im März zurückkommen, und ihre Nester nicht mehr finden, befürchtet der Verein Wildtierschutz Deutschland, wird die gesamte Population zusammen brechen. RWE weiß von den Vögeln und hat als Ausweichmöglichkeit bereits solche Schwalbentürme aufgestellt. Diese seien aber ungeeignet, so die Tierschützer.
Florinde Stürmer, Wildtierschutz Deutschland e.V.
„Sie sind positioniert in der Nähe von Bäumen und sie sind deutlich niedriger als das bisherige Habitat an dem 80 Meter hohen Kühlturm, deswegen sind wir hier und möchten gerne, dass RWE auch tatsächlich wirksame CEF-Maßnahmen für die Umsiedlung dieser Mehlschwalben vorstellt und umsetzt.“
RWE beruft sich darauf, dass man die vom Landkreis vorgeschriebenen Maßnahmen umgesetzt habe. Die Petition sei diese Woche dann zu spät gekommen – der Abriss sei bereits im Gange gewesen und nicht mehr zu unterbrechen. Im Gegensatz zu den vorherigen Malen wurde der Abriss diesmal nicht vorher angekündigt – kein Zufall, vermuten die Tierschützer. Sie hoffen, dass RWE sich noch Gesprächsbereit zeigt. Insgesamt laufe der Rückbau des Atomkraftwerks nach Zeitplan. Mitte bis Ende der 30er Jahre soll er abgeschlossen sein.