Viele Sorgen bei Winzern

Zölle auf Exporte, steigende Produktionskosten, sinkender Konsum – nur einige Gründe, warum die Weinbrache aktuell in der Krise steckt. Ein großes Thema auch bei Pfälzer Weinbautagen, die derzeit an der Weinstraße stattfindenden. Doch zunächst begleiten wir einen Winzer in Billigheim-Ingenheim.

Kälte und Nieselregen – für Ingo Pfalzgraf  keine Gründe, die Arbeit im Weinberg warten zu lassen. Der Rebschnitt steht an. Der ist wichtig, damit hier bald wieder gute Trauben reifen können. Ingo Pfalzgraf ist Winzer in vierter Generation, baut mit seiner Familie auf 43 Hektar Wein an – 70 Prozent Weißwein und 30 Prozent Rotwein. Alkoholfreie Varianten produziert er noch nicht, obwohl die immer mehr im Trend liegen.
Ingo Pfalzgraf, Winzer in Billigheim-Ingenheim
„Im Moment ist noch die Problematik, dass man noch abwartet, bis gute Verfahren da sind. Die Entalkoholisierung vom Wein ist auch problematischer als beim Bier zum Beispiel, weil man ja den dreifachen Alkohol rausholen muss.“
Das ist nicht nur aufwendig, sondern auch teuer. Die Kosten müsste er an die Kunden weitergeben. Der Winzer merkt, dass viele Menschen bewusster und weniger Wein trinken. Im Weihnachtsgeschäft hat er fünf Prozent weniger Umsatz gemacht als in den vergangenen Jahren. Eine Entwicklung, die nicht nur Ingo Pfalzgraf zu schaffen macht. Bei den Pfälzer Weinbautagen in Neustadt an der Weinstraße beklagen die Winzer Strafzölle im wichtigen US-Markt und die hohe  Inflation in Deutschland. Günstiger produzierte Weine aus dem Ausland erhöhen den Druck.
Klaus Schneider, Präsident Deutscher Weinbauverband
„Natürlich wissen wir von Betrieben, die wirtschaftliche Probleme haben. Die zum Teil ihre Rechnungen nicht bezahlen können oder nur mit großen Anstrengungen bezahlen können. Keine Gewinne erwirtschaften oder sogar Minus machen.“
Auch die Politik sei gefordert. Zwei Drittel des deutschen Weins werden in Rheinland-Pfalz produziert, ein wichtiger Wirtschaftsfaktor also für das Bundesland. Weinbauministerin Daniela Schmitt will die Bürokratie für Winzer abbauen, verweist aber auf die Zuständigkeit des Bundes. Zudem müssten die Konsumenten wieder mehr heimische Weine kaufen und damit die rheinland-pfälzischen Winzer unterstützen. Das hofft auch Ingo Pfalzgraf. In seiner Vinothek ist das Glas schließlich immer halb voll.
Ingo Pfalzgraf, Winzer in Billigheim-Ingenheim
„Trotz allem blicke ich doch auch ein bisschen positiv in die Zukunft. Der Weinbau wird bestimmt nicht komplett verschwinden. Gerade auf für die jüngeren Generationen, dass wir denen nicht den ganzen Mut nehmen.“
Denn Ingo Pfalzgraf will das Weingut mal an seine Tochter weitergeben. Bis sie das Steuer übernimmt, stehen vielleicht auch alkoholfreie Weine im Regal.