Wohngemeinschaft für Demenz-Kranke

Die meisten sind im Alter auf Hilfe angewiesen – gerade bei Demenzkranken führt oft kein Weg an einem Altenheim vorbei. Die Rheinhessen-Fachklinik in Alzey geht andere Wege: mit einer WG für Demenzkranke.

Johanna Strack ist die Älteste der zwölf Mitbewohner. Mit ihren 98 Jahren lebt sie  am längsten hier in der WG. Bei der täglichen Morgengymnastik kann sie trotz ihrer fortschreitenden Demenz gut mithalten. Bevor Johanna Strack vor sieben Jahren in die Wohn-Pflege-Gemeinschaft eingezogen ist, hat sie alleine gewohnt.
Johanna Strack, 98 Jahre
„Da bin ich ganz froh drum, dass ich nimmer alleine bin. Man kann sich unterhalten, daheim hat man da alleine gesessen und hat keine Abwechslung. Und hier ist immer ein bisschen, wir tun mal kegeln, wir machen Gymnastik, wir machen mal, es kommt das Museum hierher. Und es ist immer ein bisschen was geboten hier.“
Freizeitaktivitäten gibt es in der WG viele. Darum  müssen sich auch  die Angehörigen der Bewohner kümmern, die hier generell viel eingebunden sind. Im Gegensatz zu vollstationären Pflegeheimen stehe in der Demenz-WG  die Selbstbestimmung der Mitbewohner im Vordergrund, sagt Bettina Koch, die die WG koordiniert.
Bettina Koch, Koordinatorin Wohn-Pflege-Gemeinschaft
„Wir richten uns nach dem Lebensrhythmus der Bewohner. Der eine steht gern um sieben Uhr auf, möchte eine Tasse Kaffee und ein Marmeladenbrot. Der nächste kommt um halb neun. Der möchte vielleicht noch was anderes. Es gibt ne grobe Struktur, aber wir passen uns so den individuellen Gewohnheiten der Bewohner an.“
So entscheiden immer alle gemeinsam, was es zu Essen gibt. Und auch beim Kochen dürfen sich die WG-Bewohner einbringen – müssen es aber nicht. So wie Margot Lehrbach, die stattdessen lieber an der frischen Luft ist.
Margot Lehrbach, 86 Jahre
„Ich kann weggehen, wenn ich will. Also ich bin nicht gezwungen, an Zeiten festzuhalten. Das ist mir sehr wichtig. Damit ich frei mich bewegen kann. Ich drehe jeden Morgen meine Runde und das ist mir sehr wichtig.“
Um in die Wohn-Pflege-Gemeinschaft einziehen zu können, müssen die Bewohner  eine Demenzdiagnose und mindestens Pflegegrad zwei haben. Jeder mietet sein eigenes Zimmer, die Pflege, Betreuung und Hauswirtschaft übernehmen ambulante Pflegedienste.
Im gemeinschaftlichen Wohnbereich treffen sich die Mitbewohner zum Reden und spielen. Zum Beispiel Helmut Koob und sein Freund Siegfried Fröhlich.
Helmut Koob, 84 Jahre
„Der Herr Fröhlich ist mein bester Freund, aber wir haben immer Krumbel.“
Siegfried Fröhlich
„Er schläft beim Spielen ein.“
Helmut Koob
„Und er hat gesagt, ich würde alles verkehrt machen.“
Sieben Jahre hat Helmut Koob vor der WG alleine gewohnt. Seit er hier ist, blühe er regelrecht auf.
Bettina Koch, Koordinatorin Wohn-Pflege-Gemeinschaft
„Wir sehen, dass auch das körperliche Wohlbefinden sich verbessert durch diese individuelle Betreuung und Pflege, die hier rund um die Uhr stattfindet. Die persönliche Ansprache. Die werden auf allen Ebenen aktiviert, ob das sozial ist oder mit Bewegung oder auch kognitiv und es passiert halt ganz viel, was diesen Demenzprozess dann auch stabilisiert und verlangsamt.“
Die Bewohner fühlen sich durch die Wohnform wieder richtig jung. WG ist also nicht nur was für junge Menschen, sondern bringt auch neue Qualität in den letzten Lebensabschnitt.