Verein „Stiller Stern“ hilft trauernden Eltern

Wenn das eigene Kind stirbt, bevor es auf der Welt ist, dann brauchen die betroffenen Eltern Hilfe. Für viele Menschen sind die sogenannten Sternenkinder noch immer ein Tabuthema. Der Verein „Stiller Stern“ in Trier gibt Eltern Raum, um um ihre Kinder zu trauern und unterstützt sie mit verschiedenen Angeboten. Ornella Gorges hat ihr Kind vor zweieinhalb Jahren verloren. Sie hat sich Hilfe beim „Stillen Stern“ geholt.

Dieser Weihnachtsbaum ist nur für sie. Für die Sternenkinder, die hier auf dem Trierer Kindergrabfeld beerdigt sind. Ornella Gorges hängt heute ein weiteres Schmuckstück an den Baum. Ein gehäkelter Wünscheengel für ihre Tochter Katharina, die es nicht lebend auf die Welt geschafft hat. Katharina Maria Gorges hat einen Platz auf dem Kindergrabfeld. Für ihre Mutter ein friedlicher Ort.
Ornella Gorges, Sternenkindmutter: Traurig würde ich jetzt nicht sagen. Das ist eher ein Ort für mich, wo ich nur ganz allein bei meinem Kind sein kann. Wo ich mal alle anderen Probleme mal ausblenden kann. Es ist ein Ort der Ruhe für mich.
Ornella Gorges wusste nicht, dass sie schwanger ist. Erst als sie mit Blasensprung ins Krankenhaus kommt, wird klar: Schwangerschaft in der 20. Woche. Ihr Kind ist noch nicht lebensfähig. Drei Tage später dann die stille Geburt.
Ornella Gorges, Sternenkindmutter: Bevor ich sie geboren hatte, hab ich mir gedacht, ok gut. Ist jetzt nichts Schlimmes. Aber wie ich dann das Kind in den Händen hatte und wusste, ok das ist eigentlich ein fertiger Mensch, der nur noch hätte wachsen müssen, da sind natürlich die Muttergefühle sofort hochgekommen. Also da hab ich direkt gesagt, auch wenn ich nichts von diesem Kind gewusst habe, ich habe es von Anfang an geliebt und werde ich auch immer.
Beim Verein „Stiller Stern“ haben Ornella Gorges und ihr Mann Hilfe gefunden. Ulrike Grandjean ist Bestatterin und Vorsitzende des Vereins. Der „Stille Stern“ unterstützt Eltern dabei, um ihre Kinder zu trauern. Gemeinsam mit der Friedhofsmeisterei haben sie auch den Weihnachtsbaum hier aufgestellt.
Ulrike Grandjean, Vorstand „Stiller Stern Trier“: Das gibt’s schon auch in anderen Städten, dass man an den Kindergrabfeldern einen Tannenbaum aufstellt und die Kinder, die hier bestattet sind, symbolisch dann mit an dem Weihnachtsfest teilnehmen können.
Seit September gilt in Rheinland-Pfalz das neue Bestattungsgesetz. Das räumt auch Eltern von Sternenkindern neue Rechte ein. So müssen Kindern unter 500 Gramm eine Bestattung ermöglicht werden, die ihnen bisher verwehrt werden konnte.
Ulrike Grandjean, Bestatterin: Die Sicherheit ist ganz wichtig, dass die Eltern auch wissen, ich darf das jetzt wirklich auch machen. Und vielleicht einfach auch für die Friedhofsträger, dass die auch wissen, dass sie das so durchführen können.
In Trier wurde das auch schon vor der Gesetzesänderung so gehandhabt.
Ornella Gorges hat inzwischen ein zweites Kind bekommen. Gemeinsam besucht die Familie ihre Tochter und Schwester jede Woche. Und auch an Weihnachten wird Katharina zumindest in den Gedanken ihrer Familie dabei sein.