Polizei fordert ganzjähriges Böllerverbot

„Alle Jahre wieder“: Nein, einen Tag vor Heiligabend geht es ausnahmsweise nicht um Weihnachten, sondern um Silvester. Genauer gesagt ums Feuerwerk. Seit Jahren wird pünktlich zum Jahresende immer wieder über ein mögliches Verbot von Raketen und Böllern diskutiert. Was für die einen Tradition und Spaß ist, betrachten andere als Umweltverschmutzung oder Tierwohlgefährdung.

Feuerwerk über der Frankfurter Skyline. Am Himmel ein schönes Schauspiel, am Boden kann’s gefährlich werden. Nämlich dann, wenn Raketen nicht in den Himmel, sondern auf Menschen geschossen werden. Ob mit Absicht oder nicht: Alkohol und Menschenmassen heißt: Großes Risiko beim Böllern. Und: Viel Arbeit für die Einsatzkräfte des Rettungsdienstes, der Feuerwehr oder der Polizei.
Klemens Hahn, Pressesprecher Polizei Frankfurt: „Gerade an den Hotspots, beispielsweise am Main oder in der Innenstadt auf der Zeil sind ganz viele Menschen, erlebnisorientiertes Publikum. Wie gesagt auch viel Alkohol im Spiel in der Regel, sodass dann oft auch Körperverletzungsdelikte entstehen. (…). Silvesterknaller, Böller sind mit im Spiel, auch die bergen Gefahren. Das kann Menschen verletzen, vor allen Dingen dann, wenn Böller in Menschenmassen geworfen werden.“ 
Die Gewerkschaft der Polizei fordert in einer Petition deshalb ein bundesweites Böllerverbot. In Frankfurt zeigt sich: Schon partielle Verbote helfen, die Lage unter Kontrolle zu halten.
Klemens Hahn, Pressesprecher Polizei Frankfurt: „Also ich kann aus der Erfahrung der letzten Jahre sagen, dass wir an den Hotspots schon kontrolliert haben. Dass wir eben da definitiv dafür sorgen konnten, dass weniger geböllert wird. Das heißt, weniger Gefährdung an diesen Orten und das begrüßen wir als Polizei natürlich.“ 
Fakt ist: Silvester-Feuerwerk zünden ist bereits an 363 Tagen im Jahr verboten. Nur am 31. Dezember und am 01. Januar darf geböllert werden. Für ein Verbot auch an diesen beiden Tagen bräuchte es eine Gesetzesänderung auf Bundesebene. Und die ist nicht in Sicht.
Feuerwerk-Händler Markus Hofacker hält nichts von einem Verbot. Die meisten Menschen würden sich an die Vorgaben zur Verwendung von Pyrotechnik halten.
Markus Hofacker, Feuerwerks-Händler: „Für mich und wahrscheinlich auch für die Leute, die ordnungsgemäß Feuerwerk zünden, und das sind ja 99 Prozent der Käufer, für die ist das einfach Freude. Die empfinden da Freude, Lebensfreude. (…) Und aus dem Grund wäre es unfair, wenn man den 99 Prozent der Bevölkerung, die Pyrotechnik ordnungsgemäß anwendet, hier das zum Jahresende verbieten würde.“
Deutschlands Feuerwerksbranche hat zum letzten Jahreswechsel einen Umsatzrekord vermeldet: knapp 200 Millionen Euro haben die Deutschen fürs Böllern ausgegeben. Viele Menschen haben aber gemischte Gefühle bei der Silvester-Knallerei.
Klaus Mandel: „Also mit Verboten tue ich mich im Allgemeinen schwer, wobei ich natürlich auch beobachtet habe, dass in den letzten Jahren die Ausschreitungen und die Exzesse extrem zugenommen haben.“
Patrick: „Meine Meinung ist, dass das Böllern oder das Raketenabschießen zu null Uhr einfach Tradition ist. Und dass man das auch weiterhin machen sollte. Und auf jeden Fall die Vorböllerei, also sei es wenn auch schon vorher geböllert wird, das muss definitiv Konsequenzen geben.“
Birgit Stumpfschmidt: „Ein großes Feuerwerk, wenn’s unbedingt sein muss. Weil ich immer wieder sehe, wie die Tiere auch darauf reagieren. Wie unsere Haustiere drauf reagieren. Und deswegen finde ich, dass wir die Böller schon ruhig abschaffen könnten.“
Über 30 Millionen Haustiere gibt es in Deutschland. Dazu die Tiere in freier Wildbahn. Im Tierheim Mainz weiß man, was sie am Jahreswechsel durchmachen.
Denise Kämpfner, Vorstand Tierheim Mainz: „Durch die Böllerei, durch die Lichter, durch die lauten Geräusche, durch die Knallerei kriegen die Tiere Angst. Die sind in einer unwahrscheinlichen Stresssituation. Das geht bis zur Todesangst. (…). Wir hatten vor zwei Jahren dann auch zum Beispiel vereinzelt Greifvögel, die schwer verletzt worden sind durch Raketen. Und die werden uns dann zur medizinischen Versorgung gebracht.“
Eine Feuerwerksverbotszone rund um das Tierheim Mainz wurde von der Stadt juristisch geprüft. Das Ergebnis: Ein Verbot könne auf Grundlage der aktuellen Gesetzgebung leicht wieder gekippt werden. Wie schon im letzten Jahr appelliert deshalb eine Plakatkampagne an die Vernunft der Feiernden. Ob sie hilft bleibt abzuwarten.