Forstverwaltung noch nicht klimaneutral

Deutschland will bis 2045 klimaneutral sein – so steht es im Gesetz. Naturgesetz sind dagegen die bereits heute erkennbaren Folgen des Klimawandels. Die rheinland-pfälzische Landesregierung will deshalb sogar schon 5 Jahre früher treibhausgasneutral sein und hatte ihre Forstverwaltungen dafür als Musterschüler auserkoren, die das hoch gesteckte Ziel bereits Ende dieses Jahres erreichen sollten. Doch längst ist klar: Dieses Ziel wird krachend verfehlt.   

 

Holzerntearbeiten im Westerwaldkreis. Zum Einsatz kommt hier eine Spezialrückemaschine. Die läuft mit Diesel – was hier aus dem Auspuff kommt ist garantiert nicht CO2 neutral. 
Friedbert Ritter Forstamtsleiter Neuhäusel
Da werden tonnenschwere Lasten auch mit transportiert, das braucht einfach eine gewisse Kraftumsetzung und diese Kraftumsetzung finden wir derzeit noch nicht in einem E-Fahrzeug.
Auch die Kettensäge läuft noch mit Verbrennungsmotor. In der Forstverwaltung – erbaut 1898 – hat sich jedoch einiges getan. Die Photovoltaikanlage auf den Dächern liefert einen Überschuss von rund 10.000 Kilowattstunden pro Jahr – damit schafft man in Neuhäusel eine positive Klimabilanz.
Friedbert Ritter Forstamtsleiter Neuhäusel
„Wir könnten jeden Abend jede Menge Strom tanken, das wäre nicht das Problem aber es braucht auch die entsprechende Technik, die den Strom aufnehmen und umsetzen kann.“
Klar gesagt: Es fehlt an geländegängigen Elektro-Autos und Co., um diesen Strom zu tanken. Landesforsten sollte nach dem Willen der Ampelkoalition als erste Landesverwaltung bis Jahresende klimaneutral sein. Doch dieses Ziel wird klar verfehlt. Ausgegebene Ziele einhalten? Für die Ministerin wohl kein Muss.  
Katrin Eder (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Klimaschutzministerin Rheinland-Pfalz
„Das war ein sehr ambitioniertes Ziel, was 2021 vorgegeben wurde und man muss sich ambitionierte Ziele setzen, damit man sich auch anstrengt. Landesforsten muss natürlich auch die Kapazitäten bekommen von Netzbetreibern, von Handwerksbetrieben, von denjenigen, die das entsprechend bauen, von Genehmigungsbehörden. Hier ging es zum Beispiel um die Frage des Baus von SolarCarports, was auch ganz herausfordernde Genehmigungsprozesse waren.“
Noch sind längst nicht alle Dächer mit Solaranlagen ausgestattet. Von den rund 400 Fahrzeugen haben aktuell gerade mal 100 einen E-Antrieb. Passende Elektrolösungen für die Forstarbeit gebe der Markt noch nicht her, so das Ministerium. Fossile Maschinen sollten außerdem aus Nachhaltigkeitsgründen erst wenn nötig ersetzt werden.
Katrin Eder (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN), Klimaschutzministerin Rheinland-Pfalz
„Diese müssen auch geliefert werden, da muss man Hersteller finden, die auch in der Lage sind, Autos zu produzieren, die eben auch im Wald fahren können. Wenn sich niemand diese Ziele steckt und das dann auch versucht auszuprobieren und umzusetzen und diese Hemmnisse zu analysieren, dann werden wir sie auch nicht wegräumen können (…) und wenn einer vorangeht, dann sollte man das nicht kritisieren sondern eher wertschätzen, dass man hier wirklich mit ganz viel Geld und ganz viel Engagement auch von Beschäftigten dies versucht auch umzusetzen.“
Friedbert Ritter Forstamtsleiter Neuhäusel
„Unsere Hausaufgaben in der Vorbereitung haben wir glaube ich erfüllt in der Verwaltung, bei der Umsetzung sind wir natürlich an die Rahmenbedingungen gebunden. Wir können nicht mehr Dachdecker, nicht mehr Elektriker und mehr Versorger in diese Beschleunigung reinbringen als es der Realität derzeit in der Umsetzung möglich ist.“
Die Opposition kritisiert das Landesklimaschutzgesetz. Laut CDU-Fraktion beruhe es auf falschen Annahmen zum Energieverbrauch.
Landesforsten wird ihr Ziel wohl auch 2026 nicht erreichen. Die Ministerin will sich jedenfalls keine neue Jahreszahl abringen lassen.
Möglich, dass die ambitionierten Wünsche inzwischen der Realität gewichen sind.