Rheinland-Pfalz: Telenotarzt flächendeckend rund um die Uhr im Einsatz
Rheinland-Pfalz stärkt seinen Rettungsdienst mit sogenannten Telenotärzten. Das sind Notärzte, die bei Bedarf in Sekundenschnelle digital zugeschaltet werden können. Ab sofort landesweit und rund um die Uhr. Wie das System funktioniert und welche Vorteile es bietet, das wurde heute in Mainz vorgestellt.
Dieser Patient klagt über Beschwerden in der Brust, die nicht nachlassen. Für die hinzugerufenen Notfallsanitäter ist schnell klar: Hier braucht es ärztlichen Rat. Über die Leitstelle fordern sie umgehend einen Telenotarzt an.
Eva Meinhardt, Notfallsanitäterin DRK Vorderpfalz
„Ich habe dich gerufen, weil er schon eine Brustenge und Thoraxschmerzen angibt und, dass wir einmal zusammen das EKG befunden und schauen, wie wir weiter verfahren.“
Via Smartphone-App sind die Sanitäter über Video mit der zuständigen Telenotärztin in Ludwigshafen verbunden, auch Vitalwerte wie Puls und Blutdruck werden übertragen. Von der richtigen Medikation bis zum Weitertransport – die wichtigsten Fragen sind schnell geklärt. Ein Übungsszenario, das künftig gängige Praxis sein soll. Für den landesweiten 24/7-Betrieb wurden alle Rettungswagen aufgerüstet, Sanitäter geschult und an vier Standorten Telenotarzt-Zentren eingerichtet.
Dr. Thomas Luiz, Ärztlicher Leiter Deutsches Zentrum für Notfallmedizin und Informationstechnologie
„Wir haben insgesamt 70 Telenotärztinnen und Telenotärzte in diesen vier Zentren ausgebildet. Und der Dienstplan sieht eben so vor, im rollierenden System sind tagsüber immer zwei Zentralen gleichzeitig ansprechbar. Nachts um 19 Uhr wechselt das dann auf eine. Telenotarztzentralen können auch prinzipiell, wenn’s nicht zu komplexe Fälle sind, auch mehr als einen Einsatz leisten.“
Das schafft Flexibilität, spart Zeit und bietet schnellere ärztliche Versorgung, besonders für Patienten in ländlichen Regionen. Auch Notärzte sollen entlastet werden und sich um wirkliche Notfälle kümmern können, so Michael Ebling, der als Innenminister die oberste Rettungsdienstbehörde verantwortet.
Michael Ebling (SPD), Innenminister RLP
„Es ersetzt nicht den Notarzt, es ergänzt den Notarzt. Das ist uns auch wichtig. Aber klar ist, in dem Moment, wo der Telenotarzt zugeschaltet schon erkennt, dass es vielleicht gar nicht den Notarzt braucht, weil sich die Lage anders entwickelt und weil natürlich auch die Rettungskräfte qualifiziert helfen können, dann braucht man auch nicht den Notarzt zu beanspruchen.“


