Vier Jahre nach der Flut: Ahrtalbahn fährt wieder

Es ist ein wichtiges Wochenende für die Menschen im Ahrtal. Nach viereinhalb Jahren fahren wieder Züge durch das Gebiet, das bei der Flutkatastrophe im Juli 2025 schlimm zerstört wurde. Die Bahn sprach damals davon, dass ihre Infrastruktur in „historischem Ausmaß“ getroffen wurde. Ab Sonntag rollen die Züge wieder über die für Pendler und Touristen so wichtige Strecke. Wir waren heute bei der Eröffnung dabei.

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Darauf haben hier so viele gewartet. Endlich fährt die Bahn wieder durch das gesamte Ahrtal. Viereinhalb Jahre ist es her, dass die Flut 135 Menschen das Leben kostet, Häuser, Existenzen und die gesamte Infrastruktur zerstört: Brücken stürzen ein, Gleise werden weggespült, Bahnhöfe verwüstet. Heute aber ist ein Tag der Hoffnung.

Cornelia Weigand (Parteilos), Landrätin Kreis Ahrweiler:

„Das gibt viel Kraft für unsere Region. Und die braucht einfach auch die Chance, wieder zu wachsen, wieder produzieren zu dürfen, wieder gesehen zu werden, wieder besucht zu werden.“ (00:24 für 09s)

Die Ahrtalbahn führte bis zur Flut im Juli 2021 von Remagen bis nach Ahrbrück. Im Dezember 2021 konnte der Zugbetrieb zwischen Remagen und Walporzheim wieder eingleisig starten. Dieser Abschnitt wurde deutlich weniger von der Flut zerstört. Jetzt, vier Jahre später, fährt die Bahn auch wieder zwischen Walporzheim und Ahrbrück. [bis hier Grafik]

Die Bauarbeiten dafür beginnen im September 2023. Ein Wiederaufbau der Superlative. 18 Kilometer Gleise werden neu verlegt. 15 Brücken neu gebaut und sieben weitere saniert. Außerdem fährt die Bahn hier jetzt elektrisch.

Alexander Schweitzer (SPD), Ministerpräsident Rheinland-Pfalz:

„Das sind natürlich riesen Herausforderungen, wenn die Strecke über weite Teile hinweg komplett zerstört ist. Wir sie nicht reparieren, sondern neu wiederaufbauen müssen. Wenn Sie auch hochwasserresilient bauen. Wenn sie die komplette Elektrifizierung infrastrukturell vorbereiten müssen. Das heißt, auch mit Hochleitungen. Dann ist das eigentlich in vielen Teilen als würden Sie die Bahn zum ersten Mal hierher bauen.“ (01:15 für 10s)

Dafür hat das Land 23 Millionen Euro dazugegeben. Insgesamt kostet es die Deutsche Bahn 1,3 Milliarden Euro, alle von der Flut zerstörten Bahnstrecken wieder auf Kurs zu bringen. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder will sich auch in Zukunft ein Beispiel an dem rasanten Wiederaufbau nehmen.

Patrick Schnieder (CDU), Bundesverkehrsminister:

„Wenn wir gemeinsam den Willen haben, etwas schnell und gut zu machen, dann gelingt das auch. Wir können das in Deutschland. Das sehen wir an vielen Stellen. Das sehen wir aber ganz besonders hier Ahrtal bei der Inbetriebnahme dieser Ahrtalstrecke. Und das ist auch ein Zeichen, das von dieser Baumaßnahme ausgeht.“ (01:59 für 10s)

Damit bei einem möglichen nächsten Hochwasser die Infrastruktur robuster ist, wurden Bahndämme und Brücken stabiler gebaut, Pfeiler tiefer in die Erde gesetzt.

Cornelia Weigand (Parteilos), Landrätin Kreis Ahrweiler:

„Und wenn doch viel Wasser kommen sollte, dann sind die so robust, dass sie beim Anprall, auch vielleicht von Lasten, von Fracht auf dem Wasser, wir hatten ja ganze Bäume, die mitgerissen worden sind, ganze Hausteile, dass dann die Brücke dieses Mal Stand halten können.“ (02:25 für 10s)

Die Landrätin spricht heute von einem Meilenstein im Wiederaufbau des Ahrtals, der neue Kraft gebe, für die nächste Runde. Ab Sonntag ist die neue Bahnstrecke offen für alle.