Können Klänge den Geschmack von Wein verändern?
Was passiert mit einem Wein, der Tag und Nacht mit klassischer Musik beschallt wird? Das wollte ein Wissenschaftler der Universität Mainz herausfinden. In einem Weingut in Hattenheim im Rheingau hat er einen Riesling viele Monate lang mit den Goldbergvariationen von Johann Sebastian Bach beschallt. Der Klangwein ist jetzt abgefüllt und die große Frage lautet: Schmeckt man die Musik?
Ist es der Klangwein, oder die unbeschallte Variante? Eine Blindverkostung für Weinexperten und Liebhaber eines guten Tropfens. Es sind die gleichen Trauben aus demselben Weinberg, zeitgleich geerntet. 2024er Riesling der Lage Hattenheimer Schützenhaus. Ähnlich im Abgang, oder hat der klassisch vergorene Wein eine ganz andere Note?
Oliver Bock, Weinjournalist der F.A.Z.
„Ja, ja. Ein Unterschied ist zweifellos schmeckbar. Ich finde den unbeschallten Wein, der hat für mich die etwas schönere Nase, weil für mich sind die klassischen Rieslingtrauben mehr transportiert. Aber im Geschmack finde ich den Klangwein ein Stück weit präziser und ein kleines Stück ausdrucksstärker.“Michael Apitz, Künstler und Weinliebhaber
„Erstaunlicherweise wurde der Klangwein tatsächlich mit Bach beschallt. Ich bin da auch ein bisschen erstaunt, dass der Unterschied da ist und ziemlich deutlich ist, und er hat auch angeblich mehr Säure. Mir schmeckt er aber harmonischer. Irgendwie hat es der Johann Sebastian Bach gebracht.“
In diesem 525-Liter-Tank im Weingut Georg Müller Stiftung ist der Klangwein 10 Monate lang nonstop mit den Goldbergvariationen beschallt worden. Der Mainzer Musikwissenschaftler Peter Kiefer hat sich extra diese klassische Komposition ausgesucht. Die Schwingungen, die durch das Abspielen der Musik entstehen, sind so stark, dass man sie spüren kann.
Peter Kiefer, Musikwissenschaftler, Universität Mainz
„Ich glaube nicht, dass der Wein, dass der Most ein ästhetisches Urteil fällt. Aber die Musik ist so obertonreich, hat so viele unterschiedliche Frequenzen, dass dadurch die in Schwingungen versetzte Flüssigkeit schon irgendwie reagieren sollte, und das war eben ja die Idee des Versuches. Dass wir sagen: Das probieren wir mal aus.“
Die richtige Geschmacksnote hat das Experiment getroffen. Musikalisch sind für die Rheingauer Klangweinpioniere in Zukunft durchaus noch andere Töne denkbar.
Peter Winter, Inhaber Weingut Georg Müller Stiftung
„Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir dieses Projekt durchaus fortsetzen wollen. Vielleicht mit Rockmusik, vielleicht AC/DC, oder die Rolling Stones würden sich bestimmt auch eignen.“


