Drei mutmaßliche russische Spione auf der Anklagebank

In Frankfurt stehen ab heute drei mutmaßliche Russlandspione vor Gericht. Laut Generalbundesanwaltschaft sollen sie einen früheren ukrainischen Offizier in Hessen ausspioniert haben – mit dem Ziel ihn zu töten. Der hochbrisante Prozess beginnt heute unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen.

Früh morgens heute in Frankfurt: Ein Spezialeinsatzkommando fährt die drei Angeklagten zum Oberlandesgericht. Es ist ein Hochsicherheitsprozess.
Drinnen scheint es weniger aufgeregt zur Sache zu gehen: Die Angeklagten zeigen Daumen nach oben, lächeln. Doch die Stimmung im Gerichtsaal wird schnell ernst:
Laut Generalbundesanwaltschaft sollen die drei Männer in einem besonders schweren Fall für einen russischen Geheimdienst tätig gewesen sein.
Ines Peterson, Generalbundesanwaltschaft
„Konkret geht es dabei um den Vorwurf, dass sie das Opfer zu einem fingierten Treffen in einem Café in Frankfurt lotsen sollten, um dort die Identität des Mannes zu bestätigen und auch weitere Informationen über ihn zu sammeln. Ein mögliches Motiv könnte gewesen sein vorzubereiten auf weitere Geheimdienstliche Operationen bis hin zu Mordanschlägen auf das Opfer.“
Zu einem Treffen zwischen den mutmaßlichen Spionen und der Zielperson sei es nicht gekommen. Der Georgier habe sich an die Polizei gewandt, wodurch die Angeklagten kurz darauf festgenommen wurden.
Die Zielperson der Spionageaktion soll ein ehemaliger ukrainischer Offizier gewesen sein. Er soll  zu Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine an der Tötung gefangener russischer Soldaten mitgewirkt haben soll. Laut Bundesanwaltschaft sei das der Grund, weshalb russische Geheimdienste den Mann ausspionieren wollen.
Die Verteidiger weisen die Vorwürfe zurück. Die Beweisführung sei lückenhaft.
Tobias Groscurth, Verteidiger
„Soweit wir wissen und soweit wir die Aktenerkenntisse bewerten können gibt es keinerlei Beziehung zwischen den Angeklagten und russischen Nachrichtendiensten oder der russischen Föderation. Und es ist auch völlig unklar, ob die Zielperson tatsächlich im Interesse solcher Nachrichtendienste stehen konnte.“
Wolfgang Heer, Verteidiger
„Mein Mandant hat keinerlei Verbindungen zu einen russischen Geheimdienst und wird am Ende dieser Hauptverhandlung freizusprechen sein.“
Der Staatsschutzsenat muss jetzt herausfinden, ob die drei Angeklagten tatsächlich für einen russischen Geheimdienst tätig gewesen sind.
Marcel Gassan, Reporter in Frankfurt
„Dieser Fall könnte ein weiteres Beispiel für die hybride Kriegsführung Russlands sein. Mit sogenannten Wegwerf-Agenten: Menschen werden angeschrieben, bekommen Geld für ihren Auftrag und haben keinen direkten Kontakt zu Nachrichtendiensten. Sollten die Vorwürfe der Generalbundesanwaltschaft stimmen, dann zeigt es einmal mehr: Die Folgen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine sind auch bei uns spürbar, hier mitten in Hessen.“
Bis zu einem Urteil kann es noch dauern. Es sind  viele weitere Prozesstage angesetzt – bis in den Mai 2026.