Bildungsnotstand: Lehrer übergeben Resolution

1.000 hessische Grundschullehrkräfte schlagen Alarm. Ihre Schüler beherrschen die einfachsten Dinge nicht, können etwa keinen Stift halten oder nicht richtig sprechen. Außerdem können sie sich kaum konzentrieren und sind überfordert. Die Folge – der Unterricht fällt hinten runter, die Lehrer sind unzufrieden, der Beruf wird unattraktiv für neue Fachkräfte. Jetzt haben die Lehrer eine Resolution an das Bildungsministerium übergeben. Wir sprechen gleich mit dem hessischen Kultusminister Armin Schwarz über die Problematik, zuerst werfen wir aber einen Blick nach Darmstadt.

Die Zunge beim Sprechen richtig einsetzen und lernen einen Stift richtig zu halten. In der SGA Sportkita in Darmstadt gibt es ein spezielles Angebot für Kinder, die auffällige Defizite haben. Dafür kommen immer wieder Logopäden und Ergotherapeuten vorbei. Die Hilfe wird nicht vom Staat, sondern von den Eltern bezahlt.
Jil Keinz, Leitung SGA-Sportkita Arheilge
„Sprich, die Eltern haben einen gewissen Betrag gezahlt, dass die Kinder an diesem Programm teilnehmen können und dadurch wurden sie sehr in der Aussprache und Stifthaltung gefördert. Es ist allerdings so ein bisschen schade, dass es noch so laufen muss als Selbstzahlerleistung, weil es dadurch einfach keine Chancengleichheit innerhalb der Kitas gibt.“
Was passiert, wenn Defizite bei Kindern nicht rechtzeitig beseitigt werden, zeigt sich in den Grundschulen. Sowohl den Kindern als auch den Lehrern ist es nicht mehr möglich, sich auf den Schulunterricht zu konzentrieren, da es zu viele andere Baustellen gibt, die zuerst angegangen werden müssen. Eine große Herausforderung für die Lehrer.
Heike Gilberg, Grundschullehrerin
„Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn die Leute frustriert nach Hause gehen und genau wissen, sie konnten nicht jedem gerecht werden. Und ich bin mir sicher, bessere Bedingungen würden auch das Thema Fachkräftemangel auf Dauer verbessern.“
Die Lehrer nehmen aber auch wahr, dass sie immer mehr Verantwortung für die Kinder tragen müssen. Eltern hätten eine steigende Erwartungshaltung gegenüber der Schule, da sie selbst immer mehr unter Druck stünden.
Heike Gilberg, Grundschullehrerin
„Die Mieten werden immens hoch, beide müssen arbeiten gehen. Es bleibt wenig Zeit für Familienleben. Und das führt zu Verunsicherung, Ängsten, Existenzängsten teilweise und das überträgt sich natürlich auch auf Kinder. Und da hat Politik bisher nicht reagiert.“
Mit einer Resolution an das hessische Kultusministerium wollen die Lehrer deshalb den Druck auf die Politik erhöhen. Denn die strukturellen Probleme treten nicht erst seit kurzem und nicht zum ersten Mal auf. Schon im Juni stellen 41 von 66 Grundschulen im Schulamtsbezirk Wiesbaden und Rheingau-Taunus-Kreis eine gemeinsame Überlastungsanzeige. Im Kreis Darmstadt-Dieburg bereits 2019.
Felicitas Hemel, Grundschullehrerin
„Die Schulämter, die sind zuständig für die Überlastungsanzeigen, können die Strukturen, die verändert werden müssen, nicht verändern, das kann nur das Kultusministerium. Verkleinerung der Klasse, Reduzierung der Pflichtstunden, bessere Unterstützung, echte multiprofessionelle Teams. Und wir haben auch eine Forderung, die schnell umgesetzt werden kann. Wir wünschen uns, dass Erziehungsberechtigte beim Eintritt ihrer Kinder in die Schule ein Informationsschreiben des HMKB bekommen, in dem sie über Rechte und Pflichten aufgeklärt werden.“
Ein besseres Angebot in Kitas und Grundschulen zur Förderung von Sprachen, Haltung und Bewegung wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Denn das würde die Lehrer entlasten und noch wichtiger, den Kindern einen besseren Schulstart ermöglichen.