Rittergut Aue wird denkmalgeschützt saniert

Seit Jahrzehnten verfällt das historische Gebäude, nun soll es bald in neuem Glanz erstrahlen. Eine aufwändige Restaurierung holt ein wichtiges Stück hessischer Geschichte zurück. Wir haben uns den Zwischenstand der Bauarbeiten angeschaut

Vor 400 Jahren gingen hier Adelige ein und aus: das Rittergut Aue. Im Jahr 1576 im Renaissance-Stil erbaut diente es als Wohnsitz für die Herren von Eschwege. Doch der Zahn der Zeit hat an dem prachtvollen Anwesen genagt. Jahrzehntelang zerfallen die neun Gebäude immer mehr. Vor fünf Jahren übernehmen Gülilah und Andreas Schmidt das Rittergut und beginnen mit der Sanierung. Gar kein leichtes Vorhaben, denn bei den Arbeiten müssen strikte Anordnungen des Denkmalschutzes beachtet werden. Das Alter des Gebäudes war hier sogar ein Vorteil.
Annekathrin Sitte, Landesamt für Denkmalpflege
„Bei dem Gebäude war es ein glücklicher Zufall, dass so lange Sanierungsstau geherrscht hat. Das heißt, es wurde nicht viel kaputt gebaut. Also diese ganzen Stoffe die in den 70er und 80er Jahren, die ganzen Kunststoffe, die wir jetzt als falsche Baustoffe erkennen, weil sie eben mehr Schaden machen, als das sie nützen, die sind in dieses Gebäude nicht eingetragen worden.“
In den letzten Jahren konnten die Dächer vollständig abgedichtet werden. Jetzt geht es an die Fassade des Herrenhauses. Diese soll bis Mitte nächsten Jahres in neuem Glanz erstrahlen. Das Land Hessen unterstützt die Sanierung mit mehr als 100.000 Euro aus Denkmalfördermitteln. Kulturminister Timon Gremmels macht sich heute vor Ort ein Bild von den Arbeiten.
Timon Gremmels (SPD), Kulturminister Hessen
„Das ist hier das Vorzeigeprojekt in Nordhessen für Denkmalschutz um Projekte und Gebäude wie dieses eine Zukunft zu geben. Und ganz so viele Gebäude die 450 Jahre alt sind und die man in die Zukunft tragen will mit neuen und modernen Konzepten, gibt es nicht, insofern ist das hier beispielhaft und vorbildlich.“
In Zukunft soll das Rittergut nämlich vielseitig genutzt werden. Geplant sind ein Kinderhospiz, Angebote für inklusives Wohnen und Kunst- und Kulturveranstaltungen. Doch bis zur Fertigstellung wird es wohl noch eine ganze Weile dauern.
Gülilah Schmidt, Eigentümerin
„Die Frage, die uns hier immer gestellt wird ist: Wann wird das hier fertig? Und wir können immer sagen: Das wird hier überhaupt nie fertig. Und selbst wenn wir irgendwie an einem Punkt sind, wo wir sagen können: Jetzt ist es irgendwie zu einem runden Abschluss gekommen, dann fangen wir wahrscheinlich wieder von vorne an oder diejenigen – vielleicht unsere Kinder, vielleicht andere Menschen die das hier weiterführen – die werden wieder von vorne anfangen. Also es ist ein immerwährender Prozess.“
Ein Prozess den Familie Schmidt aber gerne in Kauf nimmt. Denn so retten sie ein Stück hessischer Geschichte für vielleicht weitere 450 Jahre.