Gedenken an die Amokfahrt von Trier
Heute jährt sich zum fünften Mal ein Ereignis, das eine Stadt nachhaltig verändert hat. Am 1. Dezember 2020 rast ein Mann mit seinem Geländewagen durch die Trierer Fußgängerzone – fährt gezielt Menschen an. Insgesamt sieben kommen durch die Amokfahrt ums Leben. Dazu kommen etliche Verletzte und Traumatisierte. Bei der Porta Nigra kamen heute hunderte Trierer zusammen um gemeinsam den Opfern zu gedenken.
Vier Minuten lang läutet die große Domglocke heute. Genau so lange hat die Amokfahrt in Trier angedauert. Auch fünf Jahre nach der Tat sind die Trierer von den Ereignissen tief ergriffen.
Gudrun Zimmermann
„Ich habe mega Bauchweh, wenn ich die Kerzen hier heute sehe und dran denke, wie das war, als dieser Verrückte hier durch die Straße gefahren ist. Und wenn ich an all die Opfer denke und an all den Schmerz, den das hinterlassen hat, krieg ich Bauchweh.“Bernhard Niesstenberner
„Es kommt einem gar nicht vor, dass es schon so lange her ist – fünf Jahre. Eine Schande, was eine Person so angerichtet hat, mit den Leuten hier, die sich einfach einen schönen Tag machen wollten und dabei totgefahren worden sind.“Lioba Brück
„Meine Kinder waren halt in der Stadt und das hat mir schon sehr zu schaffen gemacht. Meine Töchter waren nicht direkt am Ort, aber Freundinnen waren zum Beispiel Ersthelfer gewesen. Das war schlimm.“
Am 1. Dezember 2020 um 13:46 Uhr startet der Täter seine Todesfahrt. Von der Konstantinstraße aus biegt er in die zentrale Fußgängerzone ein und rast bis zur Porta Nigra. Dabei überfährt er gezielt Menschen. Darunter ein erst neun Wochen altes Baby und dessen Vater. Beide sterben. Die Fahrt fordert noch drei weitere Todesopfer. Zwei weitere Menschen versterben 2021 und 2024 an ihren schweren Verletzungen. Kurz nach der Tat wird der Amokfahrer von der Polizei festgenommen.
Der Oberbürgermeister von Trier Wolfram Leibe legt heute an der Gedenkstätte einen Kranz nieder.
Wolfram Leibe (SPD), Oberbürgermeister Trier
„Trier ist nachdenklicher geworden. Viele Menschen sagen: ‚Mensch, wie schnell das Leben zu Ende sein kann‘ und auch nach fünf Jahren weiß zum Beispiel jeder und jede in Trier, wo sie zu dem Zeitpunkt waren. Das zeigt diese Betroffenheit ist in der gesamten städtischen Gesellschaft bis heute vorhanden.“
Bei der Gedenkveranstaltung vor der Porta Nigra sind heute auch Hinterbliebene und Augenzeugen anwesend. Viele von Ihnen sind von dem Erlebten immer noch traumatisiert.
Sybille Jatzko, Stiftung Katastrophen-Nachsorge
„Der Tag ist für alle eine sehr große Belastung. Obwohl fünf Jahre vorbei sind – und viele Menschen denken, so nach fünf Jahren muss man das ja gar nicht mehr so groß zelebrieren und da müsste man das los lassen und manche sagen sogar, vergessen können – aber das ist natürlich nicht der Fall. Das hat eine tiefe Wunde geschlagen.“


