Schulleiter in Rheinland-Pfalz überlastet: „Es bleibt keine Zeit den Unterricht weiterzuentwickeln“
Die rheinland-pfälzischen Schulleiter sind am Limit – so kann man die Ergebnisse der neuesten Umfrage zusammenfassen, die der Verband Bildung und Erziehung Rheinland-Pfalz heute vorgestellt hat. Immer mehr Bürokratie – heißt immer weniger Zeit für die Schüler. Außerdem fehlt es den Schulleitern immer wieder an Personal. Wir haben uns an Ort und Stelle ein Bild von der Lage gemacht.
Seit acht Jahren leitet Lars Lamowski die Kirchener Grundschule Michaelschule im äußersten Norden von Rheinland-Pfalz. Den Kindern beste Chancen und Rahmenbedingungen für ihren Start in die Schullaufbahn zu bieten, treibt den 49 Jährigen an. Immer häufiger fehlt aber die Zeit für Inhaltliches.
Lars Lamowski, Schulleiter Michaelschule Grundschule Kirchen
„Wir müssen viel mehr investieren in Elternarbeit mittlerweile. Also die Eltern rufen immer mehr nach Unterstützung auch für die häusliche Erziehung. Das ist keine Aufgabe von Lehrerinnen und Lehrern im eigentlichen Sinne, aber auch das wird gefragt. Wir haben immer mehr psychologische Probleme auch zu behandeln in Schule. Wir wollen Unterricht weiterentwickeln, wir wollen die Lernumgebung besser gestalten.“
Lars Lamowski bezeichnet sich und seine Amtskollegen als Motoren der Schulentwicklung. Doch eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa zeigt deutlich, viele Motoren sind ins Stocken geraten. Nur 2 Prozent der Schulleiter in Rheinland-Pfalz finden, dass sie genügend Zeit für ihre Arbeit haben. Große Probleme bereiteten der Lehrkräftemangel und zu viel Bürokratie.
Lars Lamowski, Landesvorsitzender VBE Rheinland-Pfalz
„Erschreckend ist für mich besonders, dass 60% der Befragten sagen, sie würden den Beruf nicht weiterempfehlen. Das ist ein Armutszeugnis. Das sind die Leute, die Schule vorantreiben, die Schule weiterentwickeln wollen und es nicht können, weil die entsprechenden Ressourcen fehlen.“
Folglich seien über 80 Prozent der Schulleiter im Land unzufrieden mit der Bildungspolitik der rheinland-pfälzischen Landesregierung, sagt Lars Lamowski heute in einer digitalen Pressekonferenz.
Das Bildungsministerium verweist darauf, dass sich die Werte an vielen Stellen der Umfrage im Vergleich zu den vergangenen Jahren gebessert haben. Beispielsweise bei der Frage, ob man seinen Beruf weiterempfehlen würde. Trotzdem nehme man die Herausforderungen ernst, teil Bildungsminister Sven Teuber mit:
Sven Teuber (SPD), Bildungsminister Rheinland-Pfalz
„Deshalb investieren wir in Personal, gezielte Fortbildungen und zusätzliche Angebote (…). Der Bildungsetat ist auf über sechs Milliarden Euro gewachsen, und die Personalsituation stellt sich auch in diesem Schuljahr gut dar.“
Zur Wahrheit gehöre aber auch, dass an 60 Prozent der Schulen im Land Personen unterrichten, die kein abgeschlossenes Lehramtsstudium haben, sagt Lars Lamowski.
Er blickt nun mit Spannung auf die Landtagswahl im März 2026.
Lars Lamowski, Landesvorsitzender VBE Rheinland-Pfalz
„Ich hoffe, dass man nach den Wahlen wirklich anpackt und zwar von Anfang an im Bildungssystem, damit wir endlich voran kommen, damit die Wirtschaft auch die Kräfte kriegt, die sie braucht, das ist ganz klar. Aber dass die Kinder auch gestärkt aus dem Bildungssystem herauskommen und sagen, ich weiß, was ich will, ich bin gut vorbereitet, jetzt geht es voran für mich ganz persönlich.“


