Mechtersheimer Auen – Wo der Rhein so fließt wie vor 200 Jahren

Der Rhein, so wir wie ihn heute kennen – breit und gerade – so war er nicht immer. Vor 200 Jahren schlängelte er sich noch wild durch die Landschaft, bis wir Menschen ihn in sein heutiges Flussbett gezwängt haben. Im Naturschutzgebiet an der Mechtersheimer Aue südlich von Speyer kann man sozusagen in die Zeit zurück reisen und beobachten, was passiert, wenn man dem Fluss freien Lauf lässt.

So sieht der Rhein aus, wenn man ihn in Ruhe lässt. Mal fließt er langsam, mal schnell. Unterschiedliche Strömungen, Strudel – wo es lang geht, entscheidet er selbst. Und nichts kann ihn aufhalten.
Volker Westermann, Förster
„Das, was wir hier sehen, wo der Fluss fließt, das war vor 30 Jahren festes Land, das war eine Landzunge. Bei einem großen Hochwasser-Ereignis ist ein Stück durchgebrochen, gab es einen Durchbruch und seitdem hat sich aus einem schmalen Graben, den man hier sieht, ein 30 bis 40 Meter breiter Fluss neu geschaffen.“
Volker Westermann ist seit 1988 im Forstrevier unterwegs. Früher konnte er noch ohne Probleme über den Graben hüpfen. Nach dem Durchbruch gab es mehrere Versuche, die Landzunge zu schließen, erfolglos. Heute lässt man den Rhein hier auf rund zwei Kilometern sein eigenes Flussbett wählen. Eine Landschaft im ständigen Wandel. An der einen Stelle trägt der Fluss Land ab, mitsamt Büschen und Bäumen. An anderer Stelle sammelt sich das Abgetragene und bildet neue Inseln.
Volker Westermann, Forstamt Pfälzer Rheinauen
„Das ist ein gutes Beispiel für das, was hier passiert. Vor einem Vierteljahr konnte man hier noch diesen Pfad benutzen, da konnte man guten Fußes hier entlang gehen, mittlerweile hat das Hochwasser ein Stück vom Weg weggerissen, abgetragen, das wird irgendwo da drüben wieder anlanden, der Weg ist nicht mehr benutzbar, es ist sogar gefährlich hier.“
So wie hier sah es vor 1817 noch überall aus am Oberrhein. Durch die Begradigung nach den Plänen des Ingenieurs Johann Gottfried Tulla wurde aus dem mäandernden Fluss eine gerade, breite Wasserstraße in einem festen Bett. So wie wir den Rhein heute kennen, sieht er erst seit 1876 aus. Für die Menschen damals dürfte die Begradigung ein Segen gewesen sein.
Volker Westermann, Förster
„Als die Menschen vor über 200 Jahren hier gelebt haben und dieser freien Dynamik des Rheines ausgesetzt waren, dann war das auch sehr problematisch für die Menschen, Siedlungen sind verschwunden, Vieh ist ertrunken, Land ist weggerissen worden, der Grenzverlauf zwischen hier und der anderen Rheinseite hat sich permanent verändert, das war schwierig.“
Doch was dem Menschen schadet, das nützt der Natur. Die vielseitige Landschaft auf kleinem Raum sorgt für große Biodiversität. Verschiedene Schmetterlingsarten und Libellen tummeln sich im Sommer in den Auen und seltene Vögel wie Schwarzstörche, Purpurreiher und Eisvögel brüten hier. Eine einzigartige Landschaft, die es am Oberrhein so nur im Naturschutzgebiet an der Altrheinaue in Mechtersheim gibt.